Palantir gerät an mehreren Fronten gleichzeitig unter Druck. Die Aktie fiel am heutigen Mittwoch um 6,0 Prozent auf 146,00 Euro, nachdem Google DeepMind mit dem Cybersecurity-Modell Gemini 3.8 Flash Cyber direkt in jenes Marktsegment vorstößt, in dem Palantir bislang Regierungskunden bedient. Der Kursrutsch reiht sich in eine Serie schwächerer Handelstage ein, in der die Aktie binnen sieben Tagen bereits 4,2 Prozent verlor.
Rüstungsauftrag kann Verkaufsdruck nicht stoppen
Dabei liefert Palantir operativ weiter Erfolge. Die US-Armee vergab Produktionsaufträge für das TITAN-Programm im Gesamtvolumen von 192 Millionen Dollar, wovon 127 Millionen Dollar an Palantir gehen, der Rest an Anduril.
Acht Systeme – vier in der Advanced-, vier in der Basic-Version – sollen binnen 18 Monaten geliefert werden, Palantir agiert dabei als Hauptauftragnehmer neben Partnern wie L3Harris und Sierra Nevada. Das Programm markiert den Übergang vom Prototyp in die Serienproduktion, für das Geschäftsjahr 2027 wird eine weitere Bestellung erwartet.
Trotzdem konnte der Auftrag den Abwärtsdruck nicht aufhalten. Parallel dazu verkaufte ARK Invest Ende August rund 139.456 Palantir-Aktien im Wert von etwa 26 Millionen Dollar – ein Signal, das Anleger angesichts der ohnehin hohen Bewertung aufmerksam registrierten. Die Aktie bleibt trotz der jüngsten Schwäche 34 Prozent über ihrem Stand von vor 30 Tagen, was die Nervosität nach der vorangegangenen Rally erklärt.
Personalcoup im Finanzsektor
Für strategische Aufmerksamkeit sorgt daneben eine Personalie: Peter Zaffino, bislang Executive Chairman des Versicherungskonzerns AIG, wechselt ab dem 15. Januar 2027 zu Palantir und wird dort Global Head of Financial Services. Zaffino verlässt AIG bereits Mitte September, John Rice übernimmt dort den Vorsitz des Board.
Mit über 30 Jahren Erfahrung im Versicherungs- und Finanzgeschäft soll Zaffino das Wachstum bei Banken, Asset Managern, Private-Equity-Häusern und Versicherern vorantreiben – ein Signal, dass Palantir seine kommerzielle Expansion über den Regierungssektor hinaus verstärken will.
Karp investiert in ukrainische Verteidigungstechnologie
Auf einer anderen Ebene positioniert sich Palantir-Chef Alex Karp als Investor im Rüstungssektor. Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorov, der im Juli nach sechs Monaten im Amt entlassen wurde, gründet ein privates Defense-Tech-Unternehmen. Karp wird als erster Lead-Investor auftreten, Details zur Investitionssumme wurden nicht genannt.
Ziel ist es, im Krieg gewonnene Erfahrung mit Drohnen, künstlicher Intelligenz und Software in vermarktbare Produkte für die Ukraine und ihre Verbündeten zu übersetzen. In der Ukraine gibt es Bedenken wegen möglicher Interessenkonflikte, da Palantir während Fedorovs Amtszeit eng mit dem Verteidigungsministerium kooperierte.
Karp war zudem am G20-Innovationsministertreffen in Chapel Hill beteiligt, wo US-Handelsminister Howard Lutnick am Mittwoch gemeinsam mit den Chefs von Nvidia, Anthropic und OpenAI über die amerikanische Position im globalen KI-Wettlauf sprach.
Die gehäuften Auftritte unterstreichen, wie eng Palantir inzwischen mit der US-Sicherheits- und Technologiepolitik verwoben ist – ein Vorteil im Regierungsgeschäft, der aber die Konkurrenz durch Konzerne wie Google umso spürbarer macht, sobald diese in angestammte Palantir-Domänen vorstoßen.
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