Palantir schreibt gerade Börsengeschichte. Der Kurs schoss um 29 Prozent nach oben. Leerverkäufer verloren an einem einzigen Tag rund drei Milliarden Dollar.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 141,12 Euro. Auslöser war ein Quartalsbericht, der selbst optimistische Erwartungen sprengte. Für Investoren, die auf fallende Kurse gewettet hatten, wurde der Tag zum Desaster.
Short-Seller verlieren binnen 24 Stunden alle Jahresgewinne
Laut Daten von S3 Partners LLC hatten Leerverkäufer bis Montag noch Buchgewinne für 2026 angehäuft. Der Kurssprung am Dienstag löschte diese komplett aus. Die Gruppe rutschte für das laufende Jahr in die Verlustzone.
Der Short-Squeeze war die Folge einer aggressiven Wette gegen Palantir. Viele Fonds hatten sich nach dem Ausverkauf im Sommer stark gegen die Aktie positioniert. Einige Analysten werten den Kurssprung von fast 30 Prozent auch als Erholung von den Verlusten aus Juni und Juli. Damals hatten Zweifel an der Software-Branche insgesamt auf den Kurs gedrückt.
Die Zahlen hinter dem Kurssprung
Der Auslöser war ein außergewöhnliches Quartal. Der Umsatz kletterte um 92,8 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar. Das US-Commercial-Geschäft wuchs sogar um 149 Prozent im Jahresvergleich.
Palantir hob daraufhin die Prognose an. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern nun mit 82 Prozent Umsatzwachstum. Beim US-Commercial-Geschäft peilt das Management sogar 134 Prozent an. Es ist bereits das neunte Quartal in Folge, in dem Palantir die Gewinnschätzungen der Wall Street übertrifft.
CEO Alex Karp wählte für die Ergebnisse große Worte. „Die Nachfrage nach KI-Souveränität ist jetzt entfesselt“, sagte er. Palantir sei das einzige Unternehmen, das gezeigt habe, wie man Tokens in echten wirtschaftlichen Wert verwandle. Die sogenannte Rule-of-40-Kennzahl des Konzerns kletterte auf 155 Prozent – ein Wert, der Wachstum und Profitabilität kombiniert.
Wall Street überschlägt sich mit Kurszielerhöhungen
Die Analysten reagierten prompt. Deutsche Bank stufte Palantir von „Hold“ auf „Buy“ hoch und setzte das Kursziel auf 200 Dollar. Die Bank begründete den Schritt mit „außergewöhnlichen“ Ergebnissen, die Palantir mehrere Schritte vor dem Rest der Softwarebranche sähen.
Auch andere Häuser zogen nach:
- Piper Sandler bestätigte „Overweight“ und hob das Kursziel am 4. August auf 230 Dollar an
- Rosenblatt bestätigte „Buy“ mit einem Kursziel von 225 Dollar bereits am 30. Juli
Trotz der Rekordbewegung bleibt die Aktie ein Verlierer des Jahres. Vor der Kursrally hatte Palantir 2026 rund 29 Prozent verloren – belastet von Sorgen, dem KI-Software-Trade könnte die Luft ausgehen.
Breite Stärke bei Regierungs- und Firmenkunden
Die operativen Daten zeigen Wachstum auf breiter Front. Das US-Commercial-Geschäft stieg auf 764 Millionen Dollar, das US-Regierungsgeschäft wuchs um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar. Zusammen kletterte der US-Gesamtumsatz um 115 Prozent auf 1,57 Milliarden Dollar.
Auch das Neugeschäft zieht kräftig an. Palantir schloss im Quartal Verträge im Gesamtwert von 3,37 Milliarden Dollar ab, ein Plus von 49 Prozent. Allein in den USA erreichten die Buchungen einen Rekordwert von 2,13 Milliarden Dollar. Der verbleibende Auftragsbestand im US-Commercial-Geschäft hat sich binnen eines Jahres auf 6,24 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.
Der Kurs notiert nach dem Sprung rund 24 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 113,80 Euro – ein Zeichen für die Wucht der Bewegung der vergangenen Handelstage. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro aus dem November 2025 fehlen der Aktie aber noch gut 21 Prozent. Wie nachhaltig die Rally ist, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen, wenn Palantir beweisen muss, ob sich das beschleunigte Wachstumstempo halten lässt.
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