27 Prozent. So viel legt die Palantir-Aktie an einem einzigen Tag zu, nachdem der Softwarekonzern Quartalszahlen präsentiert hat, für die selbst langjährige Bullen kaum Vergleichswerte finden. Der Kurs springt auf 138,82 Euro. Es ist die schärfste Tagesbewegung seit über einem Jahr – und sie stellt die Erzählung vom auslaufenden Wachstumsmotor gehörig auf den Kopf.
Die Zahlen, die alles erklären
Der Auslöser ist eindeutig. Der US-Geschäftsumsatz wuchs im zweiten Quartal 2026 um 149 Prozent zum Vorjahr, der Gesamtumsatz um 93 Prozent. Palantir hebt zudem die Jahresprognose an: Das Unternehmen erwartet jetzt 82 Prozent Umsatzwachstum für 2026, im US-Commercial-Segment sogar 134 Prozent.
Der bereinigte Gewinn je Aktie liegt bei 41 Cent, der Konsens lag bei 35 Cent. Der Umsatz von 1,94 Milliarden Dollar übertrifft die erwarteten 1,80 Milliarden Dollar deutlich. Unterm Strich bleibt ein Nettogewinn von rund 1,1 Milliarden Dollar.
Bemerkenswert ist nicht nur der Beat selbst, sondern das Tempo der Beschleunigung. Der US-Commercial-Umsatz kletterte auf 764 Millionen Dollar und hat sich seit 2024 kumuliert mehr als vervierfacht. Das Regierungsgeschäft in den USA wuchs parallel um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar. Das Wachstum verteilt sich also auf mehrere Standbeine, statt an einem einzigen Segment zu hängen. Für 2026 rechnet das Management jetzt mit einem US-Commercial-Umsatz von über 3,42 Milliarden Dollar – die vorherige Prognose lag bei 3,22 Milliarden Dollar.
Ein Gegenschlag für die Bären
Die Skepsis rund um Palantir drehte sich zuletzt vor allem um die Bewertung und die Sorge, wachsende Konkurrenz durch OpenAI und Anthropic könnte das Unternehmenswachstum ausbremsen. Genau dieses Quartal widerlegt diese These direkt. Analysten von Citi formulieren es so: Die Zahlen „schwächen das Bären-Argument rund um die KI-Konkurrenz weiter ab“ – die Nachfrage nach Datenschutz unter KI-Firmen hebe Palantir von der Konkurrenz ab.
CEO Alex Karp positioniert sein Unternehmen im Aktionärsbrief entsprechend selbstbewusst. Nicht rohe KI-Fähigkeiten seien der entscheidende Vorteil, sondern Vertrauen: „Die Nachfrage nach KI-Souveränität ist jetzt entfesselt. Palantir ist das einzige Unternehmen, das bewiesen hat, Tokens in echten wirtschaftlichen Wert zu verwandeln. Unsere Kunden vertrauen uns maximale Kontrolle über ihre Abläufe, Daten und Entscheidungen an. Ihr Wettbewerbsvorteil darf niemals zu Trainingsdaten für zukünftige Modelle werden.“ Man mag von der Rhetorik halten, was man will – die Wachstumszahlen stützen die These, dass Unternehmen Palantirs Orchestrierungsschicht dem direkten Zugang zu Foundation-Modellen vorziehen.
Warum Vorsicht trotz der Rally angebracht bleibt
Selbst nach diesem Sprung liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch 11,65 Prozent im Minus und knapp 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro. Das relativiert die Euphorie: Ein Teil der heutigen Rally ist schlicht die Korrektur einer zuvor übertriebenen Pessimismus-Welle, nicht nur ein neuer bullischer Impuls.
Auch technisch zeigen sich Extremwerte. Ein RSI von 71 signalisiert überkaufte Bedingungen, und eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 93 Prozent erinnert daran, wie heftig diese Aktie in beide Richtungen ausschlagen kann. Das spricht dafür, dass hier nicht nur fundamental orientierte Investoren kaufen, sondern auch Momentum-Trader den Ausschlag verstärken.
Mein Fazit
Das fundamentale Argument für Palantir hat sich unbestreitbar verstärkt. Eine Wachstumsbeschleunigung dieser Größenordnung, gepaart mit der dritten Prognoseanhebung in Folge, lässt sich als Bär nur schwer wegdiskutieren. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel von 158,07 Euro impliziert von hier aus noch rund 14 Prozent Luft nach oben.
Trotzdem ist eine Aktie zu jagen, die an einem einzigen Handelstag 27 Prozent zugelegt hat, ein anderes Risiko als der Einstieg auf dem gedrückten Niveau der vergangenen Woche. Wer die heutige Bewegung verpasst hat, steht vor der eigentlichen Frage: Ist dieses außergewöhnliche Quartal bereits eingepreist, oder hat die Neubewertung Richtung 52-Wochen-Hoch gerade erst begonnen? Angesichts der Historie scharfer Kehrtwenden in beide Richtungen erscheint mir etwas Geduld auf einen Rücksetzer Richtung 50- oder 100-Tage-Durchschnitt als der überlegtere Ansatz – statt die Rally im euphorischsten Moment zu verfolgen.
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