Palantir zeigt gerade, wie weit Wachstum und Bewertung auseinanderdriften können. Auf der einen Seite: ein Umsatzsprung von 85 Prozent im ersten Quartal. Auf der anderen: ein Kurs, der 37,62 Prozent unter seinem Hoch von November 2025 liegt.
Am Freitag schloss die Aktie bei 112,28 Euro, ein Minus von 0,65 Prozent zum Vortag. Die Woche zuvor lief deutlich besser: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 12,96 Prozent. Der 30-Tage-Blick bleibt dagegen negativ, mit einem Rückgang von 8,45 Prozent.
Wachstum trifft auf Bewertungsdruck
Die Zahlen hinter dem operativen Geschäft sind eindeutig. Zwischen 2021 und 2025 wuchs Palantirs Umsatz mit einer jährlichen Rate von 30,5 Prozent, von 1,54 Milliarden auf 4,48 Milliarden Dollar. Seit 2023 schreibt das Unternehmen Gewinn. Der Nettogewinn kletterte von 210 Millionen Dollar auf 1,63 Milliarden Dollar.
Trotzdem sehen viele Marktbeobachter das Kurspotenzial begrenzt. Der Grund: Die Bewertung holt das Wachstum erst langsam ein. Schätzungen gehen davon aus, dass sich Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnis erst in zwei bis drei Jahren auf ein nachhaltigeres Niveau einpendeln.
Ein Vergleich macht das Problem greifbar. Palantir handelt aktuell mit dem 135,9-Fachen des Gewinns. Der Softwaresektor kommt im Schnitt nur auf das 28,1-Fache, die engere Vergleichsgruppe auf das 64,6-Fache. Ein Bewertungsmodell hält ein KGV von 55,1 für fair — die Lücke zum aktuellen Niveau zeigt, wie viel Optimismus im Kurs bereits eingepreist ist.
Beim freien Cashflow sieht das Bild anders aus. Auf Zwölf-Monats-Basis erwirtschaftet Palantir rund 2,7 Milliarden Dollar. Ein Discounted-Cashflow-Modell errechnet daraus einen fairen Wert von etwa 150,64 Dollar je Aktie. Das würde bedeuten: Die Aktie ist auf dieser Basis um 14,2 Prozent unterbewertet.
Analysten uneins
Die Meinungen an der Wall Street gehen deutlich auseinander. Wolfe Research bezeichnet Palantir als das Unternehmen mit dem besten Produkt-Markt-Fit im Bereich Enterprise-KI. Ein Kursziel liefert die Bank trotzdem nicht, sondern bleibt bei „Neutral“ — inmitten eines Kurseinbruchs von 26 Prozent seit Jahresbeginn 2026.
Wolfe verweist zwar auf den Umsatzsprung von 85 Prozent im ersten Quartal auf 1,63 Milliarden Dollar. Ein KGV von 142 auf Basis der vergangenen zwölf Monate und Insiderverkäufe im Mai sprechen aus Sicht der Analysten aber gegen eine bestätigte Rally.
Bank of America schlägt einen ganz anderen Ton an. Analystin Mariana Perez Mora nennt ein Kursziel von 255 Dollar auf Zwölf-Monats-Sicht. Trifft die Prognose ein, müsste sich der Kurs mehr als verdoppeln.
Karps Fernsehauftritt wirkt nach
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte in der vergangenen Woche CEO Alex Karp. In einem hitzigen CNBC-Interview bezeichnete er die KI-Branche als „verrückt“ und warf führenden KI-Firmen vor, Kunden zu überhöhten Preisen abzuzocken, Daten auszubeuten und die nationale Sicherheit der USA zu gefährden.
Die Aussagen fielen im Zusammenhang mit Palantirs Partnerschaft mit Nvidia. Verunsichert zeigten sich Anleger davon nicht. Die Aktie legte am selben Morgen um mehr als 9 Prozent zu, während der Markt vor allem auf die Nvidia-Kooperation reagierte. Der Schlagabtausch beschäftigt Kommentatoren und soziale Medien bis in die neue Woche hinein.
Charttechnik bleibt angespannt
Mit 112,28 Euro liegt die Aktie nahe am 50-Tage-Durchschnitt von 115,34 Euro, ein Abstand von 2,65 Prozent. Deutlicher fällt die Lücke zum 100-Tage-Durchschnitt aus, der bei 119,27 Euro liegt. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 134,60 Euro klafft ein Abstand von 16,58 Prozent.
Der 52-Wochen-Bereich reicht von einem Tief bei 93,30 Euro am 26. Juni bis zum Hoch bei 179,98 Euro am 3. November 2025. Der aktuelle Kurs liegt damit 20,34 Prozent über dem jüngsten Tief, aber weiterhin 37,62 Prozent unter dem Rekordhoch. Ein RSI von 51,8 signalisiert neutrale Dynamik. Die annualisierte Volatilität von 64,48 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt: Große Tagesschwankungen bleiben bei dieser Aktie die Regel, nicht die Ausnahme.
Als nächster wichtiger Termin steht der Quartalsbericht für das zweite Quartal an, den Palantir in den kommenden Wochen veröffentlichen will. Bis dahin dürfte der Markt weiter genau beobachten, wie sich die Nvidia-Partnerschaft entwickelt und ob neue Regierungs- oder Firmenaufträge hinzukommen.
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