Ein Bär brüllt, ein Militärauftrag rollt an, und ein Foundry-Update jagt das nächste – die vergangenen zwei Wochen bei Palantir lesen sich wie eine Achterbahnfahrt. Für mich zeigt sich aber gerade in diesem Nebeneinander, welche Kräfte hier wirklich am Werk sind: kurzfristige Stimmungsschwankungen auf der einen, ein sich verdichtendes operatives Fundament auf der anderen Seite.
Der Burry-Schock und seine schnelle Korrektur
Anfang September sorgte Michael Burry mit erneuter Kritik an Palantir für Nervosität – er hielt die Aktie für überbewertet und sah erhebliches Rückschlagpotenzial. Die Reaktion war kurzfristig, wie Medienberichte zeigten: Der Kurs gab zunächst nach, erholte sich dann aber deutlich, nachdem am selben Tag die Erweiterung der Allianz mit PwC US bekannt wurde.
Genau dieses Muster – Burry-Kommentar runter, operative Meldung rauf – wiederholt sich bei Palantir seit Monaten. Ich lese daraus: Der Markt gewichtet konkrete Geschäftsentwicklung inzwischen stärker als reine Bewertungskritik, so berechtigt Letztere in der Substanz auch sein mag.
Die PwC-Kooperation selbst ist mehr als Symbolik. Die auf Foundry und AIP aufgebaute KI-native Deals-Plattform soll bei Fusionen und Übernahmen sowie bei ERP-Modernisierungen ansetzen und laut den beteiligten Unternehmen Transaktionen um bis zu 50 Prozent beschleunigen und einmalige Transaktionskosten um bis zu 45 Prozent senken. Das ist eine Ansage in einem Markt, in dem Beratungshäuser traditionell mit Personalstunden statt Software verkaufen. Wenn Palantir hier tatsächlich Fuß fasst, öffnet sich ein Feld jenseits von Behörden und Verteidigung.
Militärgeschäft liefert weiter verlässlich
Parallel dazu bleibt das Verteidigungsgeschäft ein stabiler Pfeiler. Nachdem die US-Armee das TITAN-Programm Anfang September in die Produktion überführt hatte, folgte ein Lieferauftrag über 127 Millionen Dollar für Palantir – Teil eines größeren Produktionsvertrags von insgesamt 192 Millionen Dollar, an dem auch Anduril beteiligt ist.
Für mich unterstreicht das, was Palantir von vielen anderen KI-Werten unterscheidet: Es sind keine Absichtserklärungen, sondern abgerechnete Aufträge mit staatlichen Kunden, die Verlässlichkeit einpreisen, nicht nur Zukunftsfantasie.
Hinzu kommt die schiere Innovationsgeschwindigkeit auf der Produktseite. Innerhalb weniger Tage kündigte Palantir im September neue Foundry-Updates an: VS Code Workspaces werden zum Standard-Editor für unterstützte Repository-Typen, neue offene Modelle von Z.ai und Moonshot AI kommen über Fireworks in AIP, dazu Gemini 3.8 Flash sowie mehrere GPT-5.6-Varianten für verschiedene Sicherheitsstufen. AIP Evolve erreichte allgemeine Verfügbarkeit, Vulcan startete in die Beta-Phase.
Auf der eigenen Konferenz AIPCon 11 positionierte sich das Unternehmen explizit als Anbieter, der Unternehmen von KI-Pilotprojekten zu echtem operativem Einsatz führt – mit Beispielen aus Lieferketten, Sicherheitssystemen, Medien, Verteidigung und Arzneimittelforschung. Diese Kadenz an Produktankündigungen ist ungewöhnlich hoch und spricht für ein Unternehmen, das seinen technologischen Vorsprung aktiv verteidigt.
Was der Kurs gerade widerspiegelt
Am Kursverlauf lässt sich die Ambivalenz gut ablesen. Zum Wochenschluss stand die Aktie bei 144,22 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent auf Tagesbasis, doch auf Sicht von sieben Tagen liegt ein Minus von 3,9 Prozent zu Buche.
Seit dem Jahresanfang beträgt der Rückstand 8,2 Prozent, und zum 52-Wochen-Hoch von Anfang November fehlen noch 20 Prozent. Das zeigt: Trotz aller operativen Fortschritte hat sich die Bewertung spürbar zurückgebildet – ein Stück weit dürfte das auch Burrys Kritik geschuldet sein, die auf fruchtbaren Boden bei ohnehin hoch bewerteten Wachstumswerten fällt.
Zugleich relativiert sich das Bild, blickt man weiter zurück: Verglichen mit dem Vorjahresstand steht immer noch ein Plus von 3,0 Prozent, und zum 52-Wochen-Tief beträgt der Abstand satte 55 Prozent. Die 30-Tage-Volatilität von 99 Prozent macht deutlich, dass Palantir ein Nervenkitzel-Wert bleibt, kein Papier für ruhige Schläfer.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die Bewertungssorgen. Ein Unternehmen, das gleichzeitig neue Millionenaufträge vom Militär einsammelt, mit PwC ins Beratungsgeschäft vorstößt und im Wochentakt neue Produktfunktionen ausrollt, zeigt echte Substanz.
Die Skepsis von Burry ist nicht aus der Luft gegriffen – die Bewertung bleibt ambitioniert, die Volatilität hoch. Doch die jüngste Kursdelle wirkt auf mich eher wie eine Verschnaufpause als wie der Beginn eines fundamentalen Bruchs.
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