Ottobock baut sein Kerngeschäft radikal um. Mit einer neuen, KI-gestützten Prothesen-Hand will der Konzern den Sprung vom reinen Hardware-Produzenten zum Software-Spezialisten schaffen. An der Börse kommt dieser Kurswechsel nach einer längeren Durststrecke wieder besser an.
KI in der Humanbionik
In Wien-Simmering hat das Unternehmen eine neue Version der Michelangelo-Hand entwickelt. Diese Prothese nutzt künstliche Intelligenz, um Bewegungsabläufe des Nutzers zu erfassen. Die Technologie lernt ständig dazu und optimiert die Steuerung eigenständig. Patienten können ihre Fortschritte zudem über mobile Anwendungen dokumentieren.
Die Software übernimmt dabei zentrale Aufgaben. Sie dosiert etwa die Griffkraft kontinuierlich und passt sie an die Bedürfnisse im Alltag an. Ottobock wandelt sich damit konsequent zum Anbieter integrierter bionischer Lösungen. In diesem Modell spielen Software und Datenanalyse eine immer größere Rolle.
Strategische Neuausrichtung
Der Konzern räumt parallel dazu sein Portfolio auf. Im Juni verkaufte Ottobock die Rollstuhlsparte an den Investor DHCare. Das Management will so Ressourcen für renditestärkere Bereiche wie die Prothetik und Neuro-Orthetik frei machen. Im Juli kaufte das Unternehmen obendrein den spanischen Spezialisten Fesia Technology.
Dieser Zukauf stärkt die Marktposition bei der funktionellen Elektrostimulation. Die Fokussierung zeigt erste Ergebnisse in der Bilanz. Im ersten Quartal stiegen die Margen bereits spürbar an. Anleger setzen nun darauf, dass die technologische Führung die Gewinne langfristig stabilisiert.
Analysten sehen Potenzial
Analysten von Jefferies und der Deutschen Bank bewerten den Titel positiv. Ihre Kursziele liegen bei bis zu 83 Euro. Das entspricht einem erheblichen Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau. Der Kurs von 56,70 Euro liegt zudem stabil über dem Durchschnitt der letzten 50 Tage.
Mitte August veröffentlicht der Konzern seinen Halbjahresbericht. Diese Zahlen werden zeigen, wie stark die Neuausrichtung das operative Ergebnis bereits stützt.
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