Bei Ørsted treffen zwei Entwicklungen aufeinander: operativ stabilisiert sich das Geschäft, politisch könnte es unruhiger werden. Denn die anstehende Parlamentswahl in Dänemark hat die Debatte über den staatlichen Mehrheitsanteil am Offshore-Wind-Konzern neu entfacht. Zusätzlich sorgt eine routinemäßige Insider-Meldung für Aufmerksamkeit – in einer Phase, in der Anleger besonders genau hinschauen.
Wahlkampf rückt Staatsanteil in den Fokus
In Dänemark wird am 24. März gewählt. Mehrere rechte Parteien fordern, dass die Regierung nach der Wahl einen Plan für den Verkauf des staatlichen Ørsted-Anteils ausarbeitet.
Konkret schlagen die Konservativen, Liberal Alliance, die Dänische Volkspartei und die Dänemark-Demokraten vor, zunächst für die nationale Energieinfrastruktur wichtige Vermögenswerte aus dem Unternehmen herauszulösen und diese vor einem möglichen Verkauf zu behalten. Zusammen verfügen diese vier Parteien über 48 von 179 Parlamentssitzen.
Danske-Bank-Analyst Jakob Magnussen (Leiter Credit Research) verweist darauf, dass bei einem Machtwechsel hin zu einer rechten Regierung die Zeit als staatlich kontrolliertes Unternehmen begrenzt sein könnte. Zugleich betont er, dass Umfragen eher auf eine linke Regierung hindeuten, die bisher keine Verkaufsbereitschaft signalisiert hat. Laut einer aktuellen Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders DR kämen die fünf rechten Parteien zusammen auf 74 von 179 Sitzen – also unterhalb einer Mehrheit.
Insider-Meldung nach EU-Regeln
Am 3. März veröffentlichte Ørsted eine Mitteilung nach Artikel 19 der EU-Marktmissbrauchsverordnung (Verordnung (EU) Nr. 596/2014). Es geht um eine Aktien-Transaktion einer Führungsperson: Chief Development Officer (CDO) Amanda Ash Dasch.
Die Meldung wurde bei der dänischen Finanzaufsicht eingereicht und ist eine standardisierte Pflichtveröffentlichung. Sie gilt für sich genommen nicht als Signal für eine bestimmte Kursrichtung, rückt aber Insider-Aktivitäten in den Vordergrund – zeitlich passend zur erhöhten politischen Aufmerksamkeit.
Operativ bessere Zahlen, klare Ziele für 2026
Ungeachtet des politischen Gegenwinds meldet Ørsted Fortschritte bei operativen und finanziellen Kennzahlen. 2025 lag das EBITDA (ohne neue Partnerschaftsvereinbarungen und Stornogebühren) bei 25,1 Mrd. DKK und damit innerhalb der Prognosespanne von 24 bis 27 Mrd. DKK. Der Jahresüberschuss belief sich auf 3,2 Mrd. DKK.
Strategisch verweist das Unternehmen auf eine gestärkte Kapitalstruktur durch eine erfolgreich abgeschlossene Bezugsrechtsemission. Zudem wurde das Desinvestitionsprogramm für 2025 und 2026 früher als geplant finalisiert – und mit höheren Erlösen als erwartet.
Ein zentraler Baustein: Ørsted vereinbarte mit Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) über dessen fünften Flaggschiff-Fonds den Verkauf des gesamten europäischen Onshore-Geschäfts. Der Transaktionswert liegt bei 1,44 Mrd. Euro (10,7 Mrd. DKK). Der Abschluss wird im zweiten Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.
In Summe belaufen sich die vereinbarten Erlöse aus Asset-Verkäufen 2025–2026 auf rund 46 Mrd. DKK – und damit über dem ursprünglichen Ziel von mehr als 35 Mrd. DKK.
Für 2026 stellt Ørsted ein EBITDA (wiederum ohne neue Partnerschaften und Stornogebühren) von über 28 Mrd. DKK in Aussicht. Die Bruttoinvestitionen sollen bei 50 bis 55 Mrd. DKK liegen. Die Erträge aus Offshore-Windparks blieben laut Unternehmen trotz geringerer Windgeschwindigkeiten stabil, gestützt durch höhere Anlagenverfügbarkeit sowie Ausgleichszahlungen wegen Verzögerungen bei Netzanschlüssen in Deutschland.
Wie ordnet der Markt diese Mischung aus soliden Kennzahlen und politischer Unwägbarkeit ein? Berenberg erhöhte am 26. Februar das Kursziel auf 180 DKK (zuvor 140 DKK) und bestätigte die Kaufempfehlung. Zur Begründung nannte die Bank einen vorsichtigen Neustart der langfristigen Wachstumsplanung nach Monaten hoher Volatilität.
Zum Zeitplan: Der nächste feste Termin ist der Ergebnisbericht am 6. Mai. Bis dahin dürfte vor allem der Ausgang der Wahl am 24. März die kurzfristige Erzählung rund um den Staatsanteil prägen. Der politische Charakter der Debatte ist nicht neu: 2014 hatte der Verkauf eines Anteils durch das Finanzministerium an Goldman Sachs breite Proteste ausgelöst und zum Bruch der damaligen Regierungskoalition geführt.
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