Gestern gaben Orange und Telesat LEO ULC, eine Tochter der Telesat Corporation, die Inbetriebnahme der ersten europäischen Bodenstation für Telesat Lightspeed in Frankreich bekannt. Die neue Bodenstation bindet das Netzwerk an die erdnahe Satellitenkonstellation von Telesat an.
Am Markt sorgt dieser operative Schritt vorerst für keine Kursgewinne: Die Orange-Aktie verliert heute 3,1 Prozent auf 15,46 Euro. Ein konkreter Auslöser für den heutigen Kursrückgang wurde nicht bekannt.
Mit der Inbetriebnahme der Bodenstation erweitert Orange die technischen Möglichkeiten für weltraumgestützte Datenübertragungen spürbar. Für europäische Telekommunikationsanbieter gewinnen Satelliten im erdnahen Orbit rasch an strategischer Relevanz. Sie dienen dazu, weiße Flecken auf der Landkarte ohne aufwendige Glasfaseranbindung zu schließen. Gleichzeitig ermöglichen sie es, Unternehmenskunden hochgradig ausfallsichere Ausweichrouten für den Datenverkehr bereitzustellen.
Branchenallianz für europäische Satellitenfrequenzen
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters lotet Orange parallel dazu weitreichendere Kooperationen aus. Demnach führen Orange, Deutsche Telekom, Vodafone Group und Telefónica erste Vorgespräche über ein gemeinsames Konsortium. Ziel des geplanten Verbunds sei eine Bewerbung um europäische Satellitenfrequenzen. Auf dieser Basis sollen direkte Satellitendienste für herkömmliche Mobilfunkgeräte ermöglicht werden.
Die Gespräche zwischen den vier europäischen Branchengrößen befinden sich laut den Berichten in einer vorläufigen Phase. Durch einen möglichen Schulterschluss könnten die Betreiber die enormen Entwicklungskosten auf mehrere Partner verteilen. Zugleich ließe sich so ein einheitlicher europäischer Standard im wachsenden Markt für weltraumgestützte Smartphone-Dienste etablieren, anstatt isolierte Einzellösungen aufzubauen.
Zukäufe und langfristige Refinanzierung
Auch abseits des Weltraumsegments trieb das Unternehmen im September operative Vorhaben voran. Die Sparte Orange Business übernahm die sogenannte Dome-Technologie von Obvios für den Einsatz im Verteidigungsbereich und bei kritischen Infrastrukturen.
Zudem kündigte Orange Réunion Anfang September ein neues Seekabelprojekt zwischen La Réunion und Südafrika an. Zur Sicherung der Liquidität platzierte der Konzern am 8. September eine Euro-Anleihe im Gesamtvolumen von 4,1 Milliarden Euro.
Die jüngsten Initiativen unterstreichen die Bestrebungen von Orange, das Geschäftsmodell über klassische Festnetz- und Mobilfunkverträge hinaus zukunftssicher aufzustellen. Vor allem die Kombination aus Satellitentechnik, Sicherheitslösungen für Unternehmen und internationalen Seekabeln stärkt das Netzwerkprofil des Konzerns.
Der heutige Kursverlust verdeutlicht jedoch, dass Investoren bei technologieintensiven Projekten im europäischen Telekommunikationssektor vorerst greifbare Ergebnisbeiträge abwarten.
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