Oracle geht mit neuen Chipvereinbarungen in den heutigen Investorentag. Für Anleger steht dabei die Finanzierung des KI-Ausbaus im Mittelpunkt. Evercore erwartet einen erheblichen zusätzlichen Kapitalbedarf, bevor der freie Mittelzufluss positiv wird. Die gestern vorgestellten Partnerschaften erweitern das Cloudangebot, beantworten aber noch nicht die Frage nach dessen Finanzierung.
Die Aktie gewann gestern 3,7%. Damit honorierte der Markt die Ankündigungen auf der Oracle AI World. Der heutige Termin bietet Oracle nun Gelegenheit, die wirtschaftlichen Folgen des Ausbaus zu erläutern.
Hoher Kapitalbedarf trifft auf Wachstumspläne
Laut Reuters hält Oracle für das Geschäftsjahr 2027 an Investitionsausgaben von etwa 90–95 Milliarden US-Dollar fest. Wie das Unternehmen die angekündigten Chipkäufe finanzieren will, legte es nicht offen.
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen neuen Kapazitätszusagen und einem überzeugenden Finanzierungsplan. Zusätzliche Rechenleistung schafft die Voraussetzung für mehr Cloudgeschäft. Zunächst bindet sie jedoch Kapital. Anleger müssen deshalb sowohl die Nachfrage als auch den Weg zur Finanzierung beurteilen.
Evercore schätzt, dass Oracle weitere 50–60 Milliarden US-Dollar benötigt, bevor das Unternehmen im Geschäftsjahr 2029 einen positiven freien Mittelzufluss erreicht. Das Analysehaus fordert Klarheit über die Finanzierung und den Zeitplan der Rechenzentren.
Zudem möchte Evercore den Auftragsbestand ohne OpenAI besser einschätzen können. Damit richtet sich der Blick nicht allein auf die Größe der vertraglich zugesagten Geschäfte. Ebenso wichtig ist, wie breit die Nachfrage verteilt ist und wann daraus verfügbare Mittel entstehen.
Mehr Chipauswahl, offene Finanzierung
Oracle und Nvidia planen laut Reuters Vera-Rubin-Server im Multi-Gigawatt-Maßstab. Einen Vertragswert nannten die Unternehmen nicht. Bei einem Teil der Nvidia-Systeme sollen Oracles Acceleron-Netzwerkchips statt Netzwerktechnik von Nvidia zum Einsatz kommen.
Parallel öffnet Oracle seine Cloud-Infrastruktur für weitere Anbieter. Die Strategie erweitert die Auswahl für Kunden, bedeutet aber nicht, dass die wirtschaftlichen Konditionen sämtlicher Angebote bereits bekannt sind.
Oracle und Google kündigten gestern an, Google-TPUs ab 2027 über OCI anzubieten. Der Ausbau soll mehrere Jahre dauern. OCI wäre damit die erste Hyperscale-Cloud außerhalb Googles mit diesen Chips.
Hinzu kommen geplante Angebote mit Hardware von Cerebras und dem von Intel unterstützten SambaNova. Für den Investorentag ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Oracle kann erläutern, wie die breitere technische Plattform mit Investitionsbedarf und Ertragszielen zusammenpasst.
Analysten erwarten mehr als Produktneuheiten
Bernstein bestätigte gestern die Einstufung „Outperform“ und ein Kursziel von 325 US-Dollar. Das Analysehaus erwartet beim Finanzanalystentreffen höhere Finanzziele. Als Begründung nennt es das starke Wachstum des Auftragsbestands in den vergangenen vier Quartalen.
Die optimistische Einschätzung beseitigt die offenen Fragen allerdings nicht. Bernstein verweist selbst auf Profitabilität, Kapitalaufnahme und Kapitalkosten. Auch die Dauerhaftigkeit der KI-Nachfrage und Risiken bei der Umsetzung beschäftigen die Anleger.
Evercore hält unterdessen an einem Kursziel von 245 US-Dollar fest. Software und Cloudgeschäft außerhalb der KI bewertet das Haus schuldenbereinigt mit rund 197 US-Dollar je Aktie.
Damit treffen positive Analystenerwartungen auf einen anspruchsvollen Finanzierungsbedarf. Der heutige Investorentag ist vor allem daran zu messen, ob Oracle den Zusammenhang zwischen Auftragswachstum, Kapitaleinsatz und künftigem Mittelzufluss verständlich macht. Weitere Produktzusagen allein lösen diese Aufgabe nicht.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 28. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
