Oracle Aktie: S&P senkt Rating auf BBB- am 9. Juli

Oracles Aktie fällt nach Herabstufung und Milliardeninvestitionen in KI. Analysten diskutieren, ob die Risiken bereits eingepreist sind.

Auf einen Blick:
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief
  • S&P senkt Kreditwürdigkeit
  • Hohe KI-Investitionen belasten Cashflow
  • OpenAI-Abhängigkeit als Risikofaktor

Oracle-Aktien fallen weiter. Am Montag notiert das Papier bei 107,46 Euro, ein Minus von 2,80 Prozent. Erst vor drei Tagen markierte die Aktie ein neues 52-Wochen-Tief. Jetzt stellt sich die Frage: Hat der Markt Oracles Milliardenwette auf künstliche Intelligenz zu hart abgestraft?

Herabstufung als Auslöser

Der Ausverkauf begann nicht zufällig. Am 9. Juli senkte S&P Global Ratings die Kreditwürdigkeit von Oracle von BBB auf BBB-. Damit liegt der Konzern nur noch eine Stufe über Ramschniveau.

Der Grund: gewaltige Ausgaben für den Aufbau von KI-Infrastruktur. Im Geschäftsjahr 2026 investierte Oracle 55,7 Milliarden Dollar in Investitionsausgaben. Der operative Cashflow stieg zwar um 54 Prozent auf 32 Milliarden Dollar. Trotzdem reichte das Geld nicht: Der freie Cashflow lag bei minus 23,7 Milliarden Dollar.

Die Aktie notiert damit nur noch 2,25 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 105,10 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 152,58 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 162,22 Euro. Beide Werte zeigen, wie tief der charttechnische Einbruch tatsächlich reicht.

Ist die Angst größer als die Fakten?

Manche Beobachter sehen die Marktreaktion inzwischen als übertrieben an. Ein negativer freier Cashflow, eine Bonität knapp über Ramschniveau und ein Auftragsbestand, der zur Hälfte von einem einzigen, noch unprofitablen Kunden abhängt — das sind reale Risiken. Hinzu kommt eine geplante Aktienausgabe, die bestehende Aktionäre verwässern dürfte.

Trotzdem: Beim aktuellen Kursniveau ist bereits sehr viel Negatives eingepreist. Setzt sich der Auftragsbestand annähernd plangemäß in Umsatz um, könnte das Gewinnwachstum wieder anziehen, sobald die größten Investitionen abgeschlossen sind.

Die eigentliche Unsicherheit hängt an einer einzigen Frage. Wird OpenAI seine zugesagten Zahlungen tatsächlich leisten? Das entscheidet, ob Oracles Wette aufgeht — und das liegt nicht in Oracles eigener Hand. Für Investoren mit starken Nerven, die an dauerhafte KI-Nachfrage glauben, könnte eine kleine Position bei diesem Kurs Sinn ergeben. Die Einschätzung würde sich ändern, sollte der freie Cashflow schneller als erwartet stabilisieren, oder sollte OpenAI Quartal für Quartal seine Finanzierung nachweisen.

Die Bilanz steht im Zentrum

Der Markt zweifelt derzeit weniger an der Nachfrage nach Oracles KI-Angebot als an der Finanzierung. Der Konzern wird gerade wie ein Bilanzproblem behandelt, nicht wie ein Wachstumsstory. Dabei notiert die Aktie nur beim rund 16-Fachen des von Oracle selbst für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht gestellten Gewinns.

Hinzu kommt ein Konzentrationsrisiko: Ein großer Teil des Auftragsbestands hängt an wenigen KI-Kunden. Ändert sich eine dieser Beziehungen, trifft das direkt die Umsatzsichtbarkeit, auf der optimistische Kursziele derzeit beruhen.

Mit einem RSI von 27,4 gilt die Aktie als überverkauft. Die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, ob sich der freie Cashflow stabilisiert und der Auftragsbestand planmäßig in Umsatz verwandelt. Erst diese beiden Belege dürften das Vertrauen in Oracles Bilanz zurückbringen.

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