Oracle Aktie: S&P senkt auf BBB- wegen KI-Ausgaben

Oracles Cloud-Umsatz explodiert, doch Milliarden-Investitionen belasten Margen und Bonität. Die Aktie verliert trotz Rekord-Auftragsbestand.

Auf einen Blick:
  • Cloud-Infrastruktur-Umsatz steigt um 93 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht 638 Milliarden Dollar
  • S&P stuft Kreditrating auf BBB- herab
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn über 33 Prozent

Oracle liefert Zahlen, von denen andere Cloud-Anbieter träumen. Der Markt straft die Aktie trotzdem ab. Wie passt das zusammen?

Die Antwort liegt nicht im Wachstum, sondern in dem, was dieses Wachstum kostet. Und genau diese Rechnung macht Anlegern gerade Sorgen.

Die Zahlen, die eigentlich begeistern sollten

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, vorgelegt am 10. Juni, hat Oracle geliefert. Der Umsatz aus der Cloud-Infrastruktur schoss um 93 Prozent nach oben. Treiber waren KI-Workloads und Datenbank-Dienste, zwei Bereiche, in denen Oracle sich zuletzt aggressiv positioniert hat.

Noch beeindruckender: Der Auftragsbestand, also die vertraglich zugesicherten künftigen Einnahmen, kletterte auf 638 Milliarden Dollar. Das sind langfristige Verträge für KI-Infrastruktur und Cloud-Dienste, die Oracle über Jahre hinweg Umsatz garantieren. Ein Wert, der Sicherheit signalisieren sollte.

Oracle hat zudem operativ nachgelegt. Am 17. Juli startete das Unternehmen „Enterprise AI for OCI Dedicated Cloud“ — generative KI, die direkt dort läuft, wo die Kundendaten liegen. Drei Tage zuvor kam eine neue Builder-Umgebung für den KI-Agenten-Baukasten in Oracles Unternehmenssoftware dazu. Berichten vom 15. Juli zufolge führt Oracle zudem im Rennen um ein hochsicheres, abgeschottetes Cloud-Netzwerk für Japan — ein System für den Austausch von Geheimdienstinformationen.

Kurz gesagt: das operative Bild stimmt.

Der Preis der Ambition

Trotzdem sinken die Margen. Im Earnings Call zum vierten Quartal räumte das Management einen Rückgang der Bruttomargen ein, verursacht durch den Ausbau der Rechenzentren. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Oracle einen weiteren Rückschritt bei dieser Kennzahl.

Der Grund: Oracle will im Geschäftsjahr 2027 rund 40 Milliarden Dollar an Fremd- und Eigenkapital aufnehmen. Das ist eine gewaltige Summe, selbst für einen Konzern dieser Größe.

Ratingagenturen haben reagiert. S&P Global Ratings stufte Oracles Kreditrating am 9. Juli auf BBB- herab — nur eine Stufe über Ramschniveau. Die Begründung: die schweren Kapitalanforderungen des schnell wachsenden KI-Infrastrukturgeschäfts. Analysten sehen darin ein Warnsignal. Oracle müsse entweder stärkere Renditen aus seinen KI-Investitionen zeigen, das Tempo der Ausgaben drosseln oder zusätzliches Eigenkapital aufnehmen, sollten die Finanzierungskosten hoch bleiben.

Genau diese Unsicherheit drückt auf die Stimmung. Die Sorge: Massive KI-Ausgaben könnten den Cashflow belasten und das Rating näher an den Ramschbereich schieben.

Ein Kurs, der die Nervosität spiegelt

Am Freitag schloss Oracle bei 110,56 Euro, ein Tagesplus von 1,79 Prozent. Dieser kleine Ausschlag ändert wenig am größeren Bild: Über die vergangenen 30 Tage verlor die Aktie 30,75 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33,48 Prozent zu Buche.

Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis liegt bei 29 — ein Wert, der klassisch als überverkauft gilt. Das bedeutet nicht zwangsläufig eine Trendwende, zeigt aber, wie stark der Ausverkauf bereits war.

Analysten sehen dennoch Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 220,14 Euro, fast doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. Diese Lücke zwischen Kurszielen und Kursrealität zeigt, wie unterschiedlich Markt und Research-Häuser die Risikolage gerade bewerten.

Oracle zahlte zudem eine Quartalsdividende von 0,50 US-Dollar je Aktie, mit Ex-Datum am 10. Juli. Ein Detail am Rande — angesichts der Debatte um Kapitalstruktur und Verschuldung wirkt es fast nebensächlich.

Die eigentliche Wette

Oracle hat sich für den aggressiven Weg entschieden: massiv investieren, um in der KI-Cloud-Welt vorne mitzuspielen. Diese Strategie erklärt die spektakulären Auftragsbestände. Sie erklärt auch die herabgestufte Bonität.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Oracle wächst — das tut der Konzern eindeutig. Sie lautet, ob sich der Auftragsberg von 638 Milliarden Dollar schnell genug in echten, freien Cashflow verwandeln lässt, bevor die Schuldenlast das Rating weiter drückt. Bis zu den nächsten Quartalszahlen bleibt das ein Wettlauf zwischen Wachstumstempo und Finanzierungskosten.

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