Ein Schuldenberg von 135,5 Milliarden Dollar, ein Rating nur eine Stufe über Ramschniveau, steigende Kosten für Kreditausfallversicherungen — und trotzdem bekräftigt eine große Investmentbank ihre Kaufempfehlung. Bei Oracle klaffen Bilanzsorgen und Analystenoptimismus derzeit deutlich auseinander.
Mizuho bekräftigte am Dienstag sein „Outperform“-Rating für Oracle mit einem Kursziel von 320 Dollar. Analyst Siti Panigrahi bezeichnete das aktuelle Chance-Risiko-Verhältnis als eines der attraktivsten im gesamten Coverage-Universum der Bank. Sein Argument: Die Aktie notiert beim 14-Fachen des für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten bereinigten Gewinns je Aktie — ein Abschlag gegenüber vergleichbaren Infrastruktur-Werten, obwohl Oracle überdurchschnittlich wächst.
Zwischen Rekordschulden und Kapazitätsausbau
Die Zinslast wiegt schwer: Allein im laufenden Quartal fallen rund 1,5 Milliarden Dollar an Zinskosten an, nachdem S&P das Rating jüngst auf BBB- gesenkt hatte. Das Investment-Grade-Niveau bleibt damit knapp erhalten. Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle unter anderem eine Eigenkapitalfinanzierung über ein ATM-Programm mit einem Volumen von bis zu 40 Milliarden Dollar.
Auf der operativen Seite sieht Mizuho Fortschritte, die der Markt bislang kaum honoriert. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 ging rund ein Gigawatt an Rechenzentrumskapazität ans Netz — nahezu so viel wie im gesamten Vorjahr mit etwa 1,2 Gigawatt. Panigrahi verweist zudem auf Fortschritte bei „Bring your own Compute“-Verträgen und Vorauszahlungsmodellen, die die Bilanz spürbar entlasten sollen.
Auch das Anwendungsgeschäft rund um Cerner gilt bei Mizuho als unterschätzter Werttreiber. Die abgegrenzten Erlöse legten zuletzt um 16 Prozent zu, während das SaaS-Wachstum im Quartal bei 10 Prozent lag. Für die Geschäftsjahre 2029 und 2030 rechnet die Bank mit einem Umschwung zu positivem freiem Cashflow von 8 beziehungsweise 41 Milliarden Dollar, nachdem die Investitionsspitze in den Jahren 2027 und 2028 durchlaufen sein soll.
Bewertung unter historischem Schnitt
Die aktuelle Bewertung von etwa dem 15-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne liegt deutlich unter dem Fünf- und Drei-Jahres-Durchschnitt von 21 beziehungsweise 25. Genau darin sieht Mizuho das Potenzial für eine nachhaltige Neubewertung nach oben.
Fernab der Bilanzdebatte bleibt Oracle auch strategisch im Blick: Als einer der drei Hauptinvestoren des US-Joint-Ventures TikTok USDS soll der oberste Sicherheitsverantwortliche der App am 15. September vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses aussagen — die erste öffentliche Anhörung dieser Art seit dem Abschluss der Eigentümer-Aufspaltung. Für Oracle-Aktionäre bleibt damit neben der Schuldenfrage ein zweiter, politisch aufgeladener Nebenschauplatz im Blick.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 21. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
