Die Aktie von Oracle verzeichnete am gestrigen Freitag einen deutlichen Kursanstieg, während sich der US-Softwarekonzern auf die Veröffentlichung seiner neuesten Geschäftszahlen am kommenden Donnerstag vorbereitet. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei der strategische Spagat zwischen massiven Investitionen in die künstliche Intelligenz und einer neuen Welle von Stellenstreichungen zur Sicherung der Profitabilität.
Anleger reagierten zuletzt optimistisch auf die anhaltende Nachfrage im Bereich der Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Gil Luria vom Analysehaus DA Davidson erwartet bei der Bilanzvorlage am 10. September wichtige Signale für den KI-Sektor. Beflügelt durch die Kooperation mit OpenAI und die Markteinführung von OpenAI Astra stieg der Kurs im US-Handel am Freitag um rund 3,1 Prozent auf 158,80 US-Dollar.
Die Ratingagentur Moody’s mahnt hingegen zur Vorsicht und verweist auf Risiken in den KI-Großverträgen des Konzerns, die ein Volumen von etwa 300 Milliarden US-Dollar umfassen. Die Analysten sehen ein Klumpenrisiko durch die starke Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl an Großkunden.
Zudem wüchsen die Schulden derzeit schneller als die operativen Gewinne, während der freie Cashflow vorerst negativ bleibe. Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionsausgaben (Capex) in Höhe von rund 70 Milliarden US-Dollar.
Um diese gewaltigen Summen für den Bau neuer KI-Rechenzentren aufzubringen, bereitet das Unternehmen offenbar eine weitere Entlassungswelle vor. Berichten zufolge wurden Führungskräfte bereits angewiesen, Listen für Personalreduzierungen zu erstellen, wobei in einigen Teams Kürzungen im zweistelligen Prozentbereich drohen. Dies folgt auf einen Stellenabbau von bereits 21.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr. Der aktuelle Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) beläuft sich auf rund 638 Milliarden US-Dollar.
Am deutschen Markt schloss das Papier am Freitag bei 136,60 Euro. Damit notiert der Wert zwar rund 54 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro, konnte sich jedoch zuletzt stabilisieren.
Mit dem aktuellen Niveau liegt die Aktie etwa 12 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 121,43 Euro, was einen kurzfristig positiven Trend signalisiert.
Das dynamische Marktumfeld für KI-Infrastruktur wird auch durch Entwicklungen bei Partnern verdeutlicht. Der Spezialist Crusoe, der Rechenzentren für Oracle und Meta betreibt, konnte sich jüngst eine Kapitalspritze von 3 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 30 Milliarden US-Dollar sichern.
Ein wesentlicher Treiber hierfür ist ein neuer Fünfjahresvertrag mit Jane Street über GPU-Cloud-Kapazitäten im Volumen von etwa 13 Milliarden US-Dollar.
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