Ein Quartalsbericht, der Zweifel ausräumt: Oracle hat am Donnerstagabend Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Schätzungen übertrafen. Die Aktie schoss im vorbörslichen US-Handel um mehr als sieben Prozent nach oben — und macht damit den Kursrückgang vom Vortag komplett wett.
Im Zentrum steht das Cloud-Infrastrukturgeschäft, also vor allem die Vermietung von Rechenzentrumskapazität für KI-Anwendungen. Diese Sparte verdoppelte ihren Umsatz im ersten Geschäftsquartal auf 7,4 Milliarden Dollar — ein Plus von 121 Prozent im Jahresvergleich und bereits das neunte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum. Die GPU-Auslastung liegt bei fast 98 Prozent, ein Hinweis darauf, wie knapp die verfügbare Rechenkapazität derzeit ist.
Auftragsbücher füllen sich weiter
Der Gesamtumsatz kletterte um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie übertraf die Konsensschätzungen deutlich. Hinzu kommen frische KI-Vertragsabschlüsse im Volumen von 30 Milliarden Dollar, die das Auftragspolster weiter aufstocken. Für das Gesamtjahr rechnet Oracle nun mit einem Umsatz von mindestens 90 Milliarden Dollar.
JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee bestätigte die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 200 Dollar und verwies auf das dreistellige Wachstum im Infrastructure-as-a-Service-Geschäft sowie auf weitere 26 Milliarden Dollar in den Auftragsbüchern.
Auch Scotiabank bekräftigte seine positive Einschätzung. Jefferies-Analyst Brent Thill lobte die Infrastruktursparte, sah bei den währungsbereinigten Softwareerlösen aus der Cloud aber etwas mehr Schwäche als erwartet.
Die hohen Investitionsausgaben bleiben trotz der starken Zahlen ein Diskussionspunkt unter Analysten. Barclays-Experte Raimo Lenschow betonte jedoch, dass der freie Cashflow trotz massiver Ausbauinvestitionen besser ausfiel als befürchtet — ein Punkt, der Sorgen um die Fähigkeit des Konzerns dämpft, vertraglich zugesagte Einnahmen tatsächlich in Barmittel umzuwandeln.
Für das laufende zweite Geschäftsquartal stellt Oracle ein Umsatzplus von 30 bis 34 Prozent in Aussicht, das Cloud-Geschäft insgesamt soll um 65 bis 71 Prozent wachsen. Trotz des Kurssprungs steht die Aktie im laufenden Jahr weiterhin rund ein Fünftel im Minus — die aktuellen Zahlen liefern nun den ersten deutlichen Gegenimpuls.
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