Oracle will Unternehmenssoftware stärker in Richtung autonomer KI-Arbeit lenken. Auf der Hausmesse Oracle AI World in Las Vegas stellte der Konzern heute gleich mehrere Neuerungen vor: Agenten-Anwendungen für die Fusion-Cloud-Suite, eine Sicherheitsarchitektur für KI und ein offenes Register für die Einrichtung der Software. Kursreaktionen lagen zum Redaktionsschluss nicht vor.
Fusion-Suite wird zur Agentenplattform
Kern der Ankündigungen ist Fusion Claw, eine Ausführungsumgebung für sogenannte Agentic Applications. Sie sollen komplexe Aufgaben wie Recherche, Simulation und laufende Neuplanung übernehmen, jeweils innerhalb definierter Freigaben und Kontrollen. Menschen legen Ziele und Verantwortung fest, die Software erledigt die Arbeit.
Fünfundzwanzig solcher Anwendungen stehen laut Oracle bereits bereit, verteilt auf Finanzen, Personal, Lieferkette und Kundengeschäft. Beispiele sind eine Anwendung zur Buchhaltungsprüfung, ein Werkzeug zur Beschaffungsanalyse und eine Planung für Lagerzuteilung und Transportbündelung.
Hinzu kommen Fusion Companion und Fusion Agentic Home. Mitarbeiter formulieren ein Geschäftsziel, die Software wählt passende Transaktionen, Workflows und Agenten aus. Der Zugriff soll auch über externe KI-Werkzeuge wie ChatGPT möglich sein. Oracle öffnet damit die eigene Suite für fremde Oberflächen, behält aber Rechte, Kontrolle und Verantwortung im eigenen System.
Schneller einführen, offener werden
Ein zweiter Strang betrifft die Einführung der Software. Das neue Setup and Configuration Registry (FSCR) liegt als öffentliches Git-Repository vor. Es macht Oracles Wissen zur Konfiguration maschinenlesbar, sodass KI-Agenten etwa von OpenAI Einstellungen planen, umsetzen und testen können. Beratungshäuser wie Accenture, Deloitte, Grant Thornton und PwC begrüßten den Ansatz.
Darauf baut die Plattform AI Success Navigator auf, mit sechs spezialisierten Agenten von der Analyse bis zur Integration. Das Krankenhaus Lexington Health berichtet, bestimmte Design- und Konfigurationsarbeiten um 80 Prozent verkürzt zu haben. Das ist die Angabe eines frühen Anwenders, kein unabhängiger Beleg.
Vertrauen als Verkaufsargument
Für die Datenbanksparte präsentierte Oracle eine Deep Trust AI Architecture. Sicherheitsregeln und Geschäftsregeln sollen direkt in der Datenbank greifen, nicht in jeder einzelnen KI-Anwendung. So könnten Agenten diese Schranken nicht umgehen, etwa bei direktem SQL-Zugriff. Wichtige Sicherheits- und Patch-Werkzeuge gibt Oracle für Kunden mit eigenen oder kogemanagten Systemen bis Ende Februar 2027 kostenlos oder stark vergünstigt ab.
Die Botschaft an Konzernkunden: Wer KI einsetzen will, soll nicht auf Vertrauen in einzelne Modelle angewiesen sein. Ob der Markt Oracle diese Positionierung honoriert, hängt auch davon ab, wie schnell Kunden die Agentenanwendungen produktiv nutzen. Die Messe läuft weiter, weitere Produktankündigungen sind wahrscheinlich.
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