Oracle Aktie: Interconnect für AWS startet am 29. Juli

Oracles jüngste Kursgewinne kaschieren die anhaltende Schwäche. Trotz starkem Cloud-Wachstum belasten Rekord-CDS-Spreads und ein ungebrochener Abwärtstrend die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Kurserholung von zwölf Prozent
  • Cloud-Umsatz steigt um 20,6 Prozent
  • Rekordniveau bei Kreditausfallversicherungen
  • Aktie bleibt unter 200-Tage-Linie

Zwölf Prozent Kursplus in sieben Tagen klingen nach einer Wende. Bei Oracle ist das eher ein Hoffnungsschimmer als ein Befreiungsschlag. Der Konzern kämpft weiter mit einem Widerspruch, der die Aktie seit Monaten prägt: brillantes Cloud-Wachstum auf der einen Seite, eine zunehmend nervöse Kreditlandschaft auf der anderen.

Am Freitag schloss Oracle bei 127,10 Euro, ein Plus von 2,27 Prozent zum Vortag. Auf Jahressicht bleibt davon wenig übrig. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 23,53 Prozent im Minus und hat in den vergangenen zwölf Monaten sogar 40,64 Prozent verloren. Wer die jüngste Erholung feiert, sollte diesen Kontext nicht vergessen.

Das Cloud-Geschäft liefert, wie es soll

Die fundamentale Story stimmt weiterhin. Im vierten Geschäftsquartal 2026, das am 31. Mai endete, meldete Oracle einen Umsatz von 19,18 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 20,6 Prozent zum Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie kam auf 2,11 Dollar und übertraf die Erwartungen des Marktes deutlich.

Getragen wird dieses Wachstum von einer klugen Multicloud-Strategie. Die allgemeine Verfügbarkeit von Oracle Interconnect für AWS startete am 29. Juli 2026. Parallel dazu erweitert Oracle sein AI Database@AWS-Angebot auf neue Regionen wie Stockholm und San Jose. Für mich ist das der eigentliche Beweis, dass Oracle sich einen Platz im Wettrennen um die Backlogs der großen Hyperscaler sichert, statt nur Zuschauer zu sein.

Die Kehrseite: Eine Bilanz unter Druck

Diese Expansion kostet. Und zwar viel. Oracles Investitionen in KI-Rechenzentren sind so massiv, dass die Credit Default Swaps des Konzerns auf Rekordniveau gestiegen sind. Der Markt preist damit ein steigendes Risiko ein, dass Oracle seine Schuldenlast nicht so leicht schultern kann wie gedacht.

Das ist kein Oracle-spezifisches Problem allein. Die gesamte Tech-Branche gibt gerade Milliarden an Anleihen aus, um die KI-Infrastruktur zu finanzieren. Aber Oracle gilt inzwischen als eines der Unternehmen, bei denen diese „AI-Debt-Fatigue“ am ehesten in eine Herabstufung durch Ratingagenturen münden könnte. Das ist meiner Einschätzung nach der eigentliche Knackpunkt der Investment-These, nicht das Umsatzwachstum.

Institutionelle Investoren reagieren unterschiedlich auf diese Gemengelage. Mehrere Fondsgesellschaften, darunter Teamwork Financial Advisors, haben ihre Positionen im zweiten Quartal 2026 spürbar aufgestockt. Vizechairman Jeffrey Henley verkaufte dagegen am 24. Juni 400.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 159,16 Dollar.

Wichtig dabei: Der Verkauf lief über einen automatisierten Handelsplan nach Rule 10b5-1, den Henley bereits am 2. Januar 2026 aufgesetzt hatte. Weil die Optionsausübung und der anschließende Verkauf Monate im Voraus feststanden, war das keine spontane Entscheidung des Managements. Ich würde das nicht als plötzlichen Vertrauensverlust der Führungsebene in die eigene Aktie deuten.

Charttechnisch noch kein Ausbruch

Trotz der Erholung von 26,14 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Tief bei 100,76 Euro vom 28. Juli bleibt Oracle 16,79 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 152,74 Euro. Das ist ein deutliches Signal, dass der langfristige Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist. Ein RSI von 56,1 zeigt zwar eine gewisse Stabilisierung, aber keinen klaren Ausbruchskatalysator.

Der Analystenkonsens sieht ein Kursziel von 214,63 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von fast 69 Prozent entspräche. Diese Zahl allein sollte niemanden blenden. Sie setzt voraus, dass Oracle seine Verschuldung in den Griff bekommt und die operative Stärke tatsächlich in nachhaltige Profitabilität übersetzt.

Unterm Strich bleibt Oracle für mich ein Balanceakt zwischen zwei Wahrheiten. Die eine: ein Cloud-Geschäft, das wächst und liefert. Die andere: eine Bilanz, die unter der Last der eigenen Ambitionen zu ächzen beginnt. Solange die Aktie nicht dauerhaft über ihre langfristigen gleitenden Durchschnitte zurückfindet, bleibt das eine Erholungswette mit erhöhtem Risiko – bei der die Schuldenfrage das KI-Wachstum jederzeit überschatten kann.

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