Oracle Aktie: Im Sog des KI-Ausverkaufs abgerutscht

Symbolbild, KI-generiert

Oracle bekräftigt Umsatz- und Gewinnziele, während Scotiabank das Kursziel senkt und die Finanzierung der Expansion offenbleibt.

Auf einen Blick:
  • Mindestens 225 Milliarden Dollar Umsatz bis 2030
  • Positiver Mittelzufluss ab Geschäftsjahreshälfte 2028 erwartet
  • Zusätzliche Kapitalaufnahme auf 20 Milliarden Dollar begrenzt
  • Scotiabank senkt Kursziel, positive Einstufung bleibt

Oracle geriet gestern im Sog des Ausverkaufs bei KI-Infrastrukturwerten unter Druck: Die Tagesveränderung betrug -3,2%. Medienberichten zufolge belasteten Amazons Quartalsergebnisse und die hohen geplanten KI-Ausgaben das Umfeld.

Dahinter steht die Sorge, ob solche Investitionen schnell genug Erträge liefern. Für mich trifft diese Skepsis Oracles entscheidenden Punkt: Nicht die Größe der Wachstumsziele verdient derzeit das größte Gewicht, sondern deren Finanzierung und spätere Umwandlung in freien Mittelzufluss.

Der Rückgang ist deshalb weder als neue Unternehmenswarnung noch als Widerlegung der Wachstumspläne zu verstehen. Er zeigt vielmehr, wie wenig Geduld Anleger für die Zeit zwischen hohen Ausgaben und erhofften Rückflüssen aufbringen. Oracles Antworten vom Investorentag sind relevant. Einen Beweis für die Wirtschaftlichkeit der Expansion liefern sie noch nicht.

Große Ziele ersetzen keine Mittelzuflüsse

Oracle peilt für das Geschäftsjahr 2030 mindestens 225 Milliarden $ Umsatz an. Dazu kommen eine bereinigte operative Marge von mindestens 40% und ein bereinigter Gewinn je Aktie von mindestens 21 $.

Das ist ein ambitioniertes Zielbild. Seine Aussagekraft hängt jedoch daran, wie Oracle den Weg dorthin finanziert und wann aus dem Ausbau tatsächlich frei verfügbare Mittel entstehen. Eine hohe künftige Profitabilität kann die heutige Finanzierungslast rechtfertigen. Sie macht diese Last aber nicht bedeutungslos.

Oracle erwartet einen positiven freien Mittelzufluss in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028. Für das Geschäftsjahr 2029 stellt das Unternehmen mindestens 30 Milliarden $ in Aussicht.

Genau hier liegt für mich die zentrale Bewährungsprobe. Oracle benennt damit nicht nur eine erhoffte Größenordnung, sondern auch den zeitlichen Übergang zu einem Geschäft, das freie Mittel erwirtschaften soll. Anleger sollten diese Erwartung als überprüfbare Zielsetzung behandeln – nicht als bereits erreichte Qualität des Geschäfts.

Die Finanzierungsgrenze ist ein Fortschritt

Bis zum Geschäftsjahr 2030 will Oracle zusätzliche Kapitalaufnahmen auf 20 Milliarden $ begrenzen. Vorgesehen sind jeweils 10 Milliarden $ Eigenkapital und Bruttoschulden. Refinanzierungen sind ausgenommen.

Die Einschränkung ist wichtig: Diese Zusage beschreibt nicht die gesamte künftige Finanzierungstätigkeit. Sie setzt aber einen Rahmen für zusätzliche Mittel. Für mich ist das konkreter und anlegerrelevanter als ein isolierter Verweis auf die langfristige Umsatzchance.

Am Donnerstag erklärte Oracle außerdem, dass Lieferantenfinanzierungen, von Kunden bereitgestellte Hardware und Vorauszahlungen den anfänglichen Liquiditätsbedarf voraussichtlich senken sollen. Solche Instrumente können die Belastung abfedern. Sie sind deshalb ein nachvollziehbarer Bestandteil des Finanzierungsplans, aber noch kein Nachweis dafür, dass die erwarteten Entlastungen im benötigten Umfang eintreten.

Zugleich bestätigte Oracle am Donnerstag für das Geschäftsjahr 2027 mindestens 90 Milliarden $ Umsatz sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,10 $.

Diese Bestätigung setzt einen näheren operativen Maßstab neben die langfristigen Versprechen. Für die Bewertung zählt aus meiner Sicht beides: Oracle muss Wachstum liefern und zugleich zeigen, dass dessen Finanzierung innerhalb des angekündigten Rahmens bleibt.

Niedrigere Kursziele mahnen zur Differenzierung

Scotiabank senkte am Donnerstag das Oracle-Kursziel von 215 $ auf 205 $. Die positive Einstufung „Sector Outperform“ blieb bestehen.

Die Kombination ist aufschlussreicher als jede der beiden Aussagen für sich. Ein niedrigeres Kursziel signalisiert vorsichtigere Erwartungen an die Bewertung. Die weiterhin positive Einstufung spricht dagegen, die Anpassung als grundsätzliche Absage an Oracles Perspektiven zu lesen. Sie rechtfertigt allerdings ebenso wenig, die Finanzierungsfrage als erledigt anzusehen.

Mein Fazit: Oracle hat einen konkreteren Rahmen geliefert, an dem sich das Unternehmen messen lassen muss. Der sektorweite Verkaufsdruck macht daraus keinen schlechteren Plan. Umgekehrt verwandelt der Plan die erhofften Rückflüsse noch nicht in Realität.

Für mich bleibt deshalb die Umsetzung der entscheidende Bewertungsmaßstab: Wachstum, begrenzter zusätzlicher Kapitalbedarf und die angekündigte Wende beim freien Mittelzufluss müssen zusammenpassen. Erst dann verliert die derzeitige Skepsis ihre stärkste Grundlage.

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