Die EU-Kommission nimmt Oracles Lizenzpraktiken ins Visier. Wie Reuters berichtet, holt die Brüsseler Behörde bei Dritten Informationen zum Cloud- und Software-Geschäft des Konzerns ein. Eine formelle Untersuchung gegen ein Unternehmen bestehe noch nicht, teilte die Kommission mit. Für Oracle bedeutet das dennoch einen neuen regulatorischen Schatten über dem Geschäftsmodell, das zuletzt ohnehin unter Druck steht.
Die Aktie reagierte am heutigen Mittwoch dennoch freundlich: Sie legt um 2,9 Prozent zu und notiert bei 125,22 Euro, nach einem Schlusskurs von 121,74 Euro am Dienstag. Der Kurs bleibt damit weit von seinem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro entfernt, das Papier hat sich seit Jahresbeginn um 25 Prozent verbilligt.
Personalabbau bleibt ungeklärt
Parallel zur EU-Prüfung kursieren weiter Berichte über einen möglichen neuen Stellenabbau. Medienberichten zufolge rechnen Oracle-Mitarbeiter mit einer neuen Kürzungsrunde zum Start des zweiten Geschäftsquartals.
Manager sollen demnach aufgefordert worden sein, vor dem 1. September Positionen für Gehaltskürzungen zu benennen – Schätzungen reichen von 7.000 bis 10.000 betroffenen Stellen.
Oracle selbst hat weder Zahlen noch einen Zeitplan bestätigt. Für Anleger bleibt damit unklar, in welchem Umfang der Konzern seine Kostenbasis tatsächlich anpasst, während gleichzeitig milliardenschwere Cloud-Investitionen laufen.
Datenschutz-Vergleich wird ausgezahlt
Ein älteres Kapitel findet nun einen konkreten Abschluss: Im 115-Millionen-Dollar-Vergleich rund um Datenschutzvorwürfe gegen Oracle sollen die Zahlungen an Betroffene laut dem zuständigen Abwicklungsverwalter am 21. September 2026 beginnen.
Vorausgegangen war ein Berufungsverfahren, das am 22. Juni 2026 abgeschlossen wurde. Die finanzielle Belastung ist für einen Konzern dieser Größenordnung überschaubar, signalisiert aber, dass juristische Altlasten weiter abgearbeitet werden – während mit der EU-Prüfung zugleich ein neues Verfahren entsteht.
Technologische Fortschritte als Gegengewicht
Auf der operativen Seite meldete Oracle im August neue Partnerschaften. Ein mehrjähriges Abkommen mit Quantinuum soll hybrides Quantencomputing in die Oracle Cloud Infrastructure bringen.
Zudem gehörte Oracle zu den ersten Cloud-Anbietern, die Nvidias Modell Nemotron 3.5 Lightning bereits zum Marktstart anboten. Solche Ankündigungen sollen unterstreichen, dass Oracle im KI- und Cloud-Wettbewerb technologisch Schritt hält, auch wenn sie den regulatorischen und personellen Gegenwind nicht auflösen.
Blick auf den nächsten Termin
Der nächste große Katalysator für die Aktie ist bereits terminiert: Oracle legt seine Quartalszahlen am 10. September 2026 vor. Bis dahin dürften Anleger die EU-Signale, mögliche Personalentscheidungen und die Fortschritte im Cloud-Geschäft gegeneinander abwägen. Erst die Zahlen werden zeigen, ob das operative Wachstum die aufkommenden regulatorischen Risiken kompensieren kann.
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