Oracle Aktie: Ellison zieht Verkaufsplan zurück

Symbolbild, KI-generiert

Oracle steigert Umsatz und Cloud-Geschäft deutlich, muss jedoch höhere Restrukturierungskosten und negativen freien Cashflow verkraften.

Auf einen Blick:
  • Ellison stoppt geplanten Aktienverkauf
  • Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent
  • KI-Verträge über 30 Milliarden Dollar
  • Restrukturierung verteuert sich um 700 Millionen

Larry Ellison wollte verkaufen. Bis zu 50 Millionen Aktien, ein Paket im Wert von rund 7,5 Milliarden Dollar, sollte den Besitz des Oracle-Mitgründers und Verwaltungsratsvorsitzenden schmälern.

Am Freitag zog er den Plan zurück. Kein einziges Papier wechselte den Besitzer, weitere Verkaufsabsichten legte Oracle nicht offen. Für eine Aktie, die dieses Jahr bereits um 22 Prozent gefallen ist, ist das mehr als eine Randnotiz – es ist ein Signal über das Vertrauen des mächtigsten Mannes im Unternehmen in die eigene Aktie.

Die Volatilität der vergangenen Wochen erzählt die eigentliche Geschichte. Am Donnerstag hatte Oracle Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, die von Wachstum sprachen, das man in der Softwarebranche selten sieht: Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar, die Cloud-Infrastruktursparte legte um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu.

Oracle sammelte zusätzliche KI-Cloud-Verträge über mehr als 30 Milliarden Dollar ein und hob die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr leicht an.

Reuters berichtete, dass die anschließende Kursrally von genau dieser KI-Nachfrage und dem wachsenden Auftragsbestand getragen wurde – auch die Sorgen um den Barmittelabfluss ließen nach, nachdem der negative freie Cashflow mit 5,40 Milliarden Dollar geringer ausfiel als von vielen erwartet.

Doch Euphorie hat bei Oracle inzwischen ein kurzes Gedächtnis. Zum Wochenschluss gab die Aktie um 1,4 Prozent nach und schloss bei 129,72 Euro – ein Dämpfer, der zeigt, wie schnell der Markt zwischen Wachstumsbegeisterung und Kostendisziplin hin- und herpendelt.

Denn parallel zu den glänzenden Cloud-Zahlen musste Oracle einräumen, dass die Restrukturierungskosten, die auch mit Stellenstreichungen verbunden sind, um weitere 700 Millionen Dollar steigen – auf nun rund 2,8 Milliarden Dollar im laufenden Geschäftsjahr. Wachstum kostet, das ist bei Oracle derzeit wörtlich zu nehmen.

Ellisons Signal in unruhiger Zeit

Dass Ellison genau in diesem Moment seinen Verkaufsplan kassiert, passt zur größeren Erzählung um Oracle: Das Unternehmen wettet mit aller Kraft auf den KI-Cloud-Boom, und die Führungsspitze scheint bereit, diese Wette persönlich mitzutragen.

Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen kletterten im ersten Quartal auf 664 Milliarden Dollar – eine Zahl, die zeigt, wie sehr Oracle inzwischen zum Ausrüster einer ganzen KI-Infrastrukturwelle geworden ist. Kunden fragen laut Unternehmensangaben mehr Trainings- und Inferenzkapazität nach, als Oracle derzeit liefern kann.

Diese Knappheit ist zugleich Chance und Risiko. Sie treibt die Erlöse, verlangt aber auch massive Investitionen in Rechenzentren und Personal – Investitionen, die sich in den steigenden Restrukturierungskosten und dem negativen Cashflow niederschlagen.

Die Aktie handelt derzeit rund 6 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, doch mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 46 Prozent bleibt sie ein Nervenspiel für jeden, der zwischen Wachstumsstory und Kostenlast eine klare Linie sucht.

Zwischen Aufsichtsbehörde und KI-Wette

Im Hintergrund köchelt zudem ein europäisches Verfahren weiter: Vor rund zwei Wochen wurde bekannt, dass die EU-Kommission Informationen zu Oracles Softwarelizenzierungspraktiken einholt. Reuters betonte, das Verfahren befinde sich in einer frühen Phase, eine formelle Untersuchung sei nicht eröffnet. Die Aktie legte seither um 3,1 Prozent zu – der Markt scheint diesem Thema derzeit wenig Gewicht zu geben, verglichen mit der KI-Wachstumsstory.

Genau diese Gewichtung ist die eigentliche Frage, die sich um Oracle rankt: Überwiegt die Erzählung vom unstillbaren Hunger nach KI-Rechenleistung die Kosten, die dieser Hunger produziert? Ellisons zurückgezogener Verkaufsplan liefert darauf keine endgültige Antwort, aber einen Fingerzeig.

Wer an der Spitze steht und gerade jetzt nicht verkauft, glaubt offenbar, dass die Rechnung am Ende aufgeht – auch wenn der Weg dorthin, wie die Kursschwankungen der vergangenen Woche zeigen, alles andere als geradlinig verläuft.

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