Oracle Aktie: CDS-Spread auf 203 Basispunkten

Oracles CDS-Spread übersteigt 2008er-Niveau, während Anleiheinvestoren die hohe Verschuldung des KI-Konzerns zunehmend skeptisch bewerten.

Auf einen Blick:
  • CDS-Spread steigt auf 203 Basispunkte
  • Verschuldung erreicht 130 Milliarden Dollar
  • S&P senkt Bonität auf BBB-
  • Aktie erholt sich trotz Kreditmarkt-Panik

Ein Wert von 203 Basispunkten lässt aufhorchen: So hoch stand der Fünfjahres-Credit-Default-Swap von Oracle am heutigen Mittwoch – höher als selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Für mich ist das die eigentliche Schlagzeile des Tages, nicht die zahlreichen operativen Erfolgsmeldungen, die Oracle parallel verkündet. Die Kreditmärkte preisen offenbar echte Sorge um die Bonität eines Konzerns ein, der binnen Wochen zum Symbol der KI-Investitionswelle geworden ist – und zugleich zum Test, wie viel Fremdkapital diese Welle verträgt.

Kreditmärkte schlagen Alarm

Der Sprung ist kein Ausrutscher. Zwischen dem 20. und dem 28. Juli war der CDS-Spread bereits von 144 auf 203 Basispunkte geklettert, nachdem Oracle angekündigt hatte, bis zu 50 Milliarden US-Dollar über eine Mischung aus Fremdkapital und einem 20-Milliarden-Dollar-Aktienprogramm am Markt aufzunehmen, das die Citigroup begleitet. Bondinvestoren reagierten sichtlich nervös auf einen geplanten Investitionsaufwand von 70 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027 und eine Gesamtverschuldung von rund 130 Milliarden Dollar. Dass Standard & Poor’s Anfang Juli die Bonität auf BBB- gesenkt hatte – nur eine Stufe über Ramsch-Niveau – und dabei ein freies Cashflow-Defizit von 42 Milliarden Dollar für das laufende Geschäftsjahr als Grund nannte, wirkt aus heutiger Sicht wie die Ouvertüre zu dem, was sich jetzt an den Kreditmärkten zusammenbraut.

Die Aktie selbst zeigt diese Nervosität in Wellen statt in einer geraden Linie. Aktuell notiert das Papier bei 125,16 Euro, heute um 0,92 Prozent leichter. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von Anfang September fehlen inzwischen 57,55 Prozent – ein brutaler Verfall für einen Weltkonzern. Gleichzeitig hat der Kurs in den vergangenen sieben Tagen um 21,63 Prozent zugelegt. Diese Diskrepanz zwischen Aktienmarkt-Erholung und Kreditmarkt-Panik ist für mich das eigentlich Bemerkenswerte an der aktuellen Lage: Zwei Investorengruppen bewerten dasselbe Unternehmen gerade fundamental unterschiedlich.

Wachstumsversprechen contra Bilanzlast

Wer für Oracle spricht, verweist auf den Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar und die Führungsrolle bei souveräner KI-Infrastruktur. Genau darauf stützte sich Ende Juli die Hochstufung durch Passage Research, die Oracle von „Hold/Avoid“ auf „Buy“ anhob und die Bilanzbelastung explizit als überschaubar gegenüber diesem Auftragspolster einordnete. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, dessen Zahlen Oracle Mitte September vorlegen will, hat das Management ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent sowie ein Cloud-Wachstum von 58 bis 64 Prozent in Aussicht gestellt. Das sind Größenordnungen, die kaum ein etablierter Softwarekonzern derzeit vorweisen kann.

Doch genau hier liegt die Wette: Diese Wachstumsraten müssen erst noch bestätigt werden, während die Schuldenlast schon heute real ist. Der Bundesbehördenauftrag über 400 Millionen Dollar mit CACI International, Deloitte und Baker Tilly zur Modernisierung der HR-IT-Systeme sowie die Ausweitung der EHR-Einführung bei Baycrest Hospital und Sunnybrook Health Sciences Centre in Ontario zeigen, dass das Bestandsgeschäft läuft. Auch die vertiefte Partnerschaft mit Google Cloud, die Geminis KI-Modelle direkt in Oracle Fusion Applications und NetSuite einbindet, unterstreicht die strategische Breite. Diese Meldungen dürften jedoch kaum reichen, um die Kreditmärkte zu beruhigen, solange die Finanzierungsfrage im Raum steht.

Zusätzliche Risiken abseits der Bilanz

Zwei weitere Meldungen vom Dienstag und heute mahnen zur Vorsicht, auch wenn sie das Kernbild nicht verändern. Der Chef von WEC Energy Group, Scott Lauber, bestätigte zwar, dass ein geplantes Rechenzentrum in Port Washington trotz eines laufenden Rechtsstreits zwischen Oracle und Wisconsin-Regulierern über eine neue AAA-Bonitätsanforderung für Großstromkunden im Zeitplan bleibt – doch der Streit selbst zeigt, wie eng Oracles Bonitätsprofil inzwischen mit operativen Genehmigungen verknüpft ist. Zudem meldete die Sicherheitsfirma Huntress, dass Angreifer über eine SQL-Injection-Schwachstelle ein Post-Exploitation-Toolkit in eine Oracle-Datenbank eingeschleust hatten. Für sich genommen sind das keine Kursereignisse ersten Ranges, doch sie summieren sich zu einem Bild wachsender operativer und regulatorischer Reibung.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich Oracle an einem Scheidepunkt, den weder der Aktienkurs noch die Kreditmärkte allein widerspiegeln. Der Auftragsbestand und die Wachstumsguidance sprechen für die langfristige These, die Passage Research vertritt. Der CDS-Spread auf Krisenniveau spricht dagegen für eine Finanzierungsstruktur, die im aktuellen Umfeld fragiler wirkt, als es der siebentägige Kursanstieg suggeriert. Für mich überwiegt derzeit die Unsicherheit: Solange die Bondmärkte lauter schreien als die Aktienkursbewegung, bleibt Oracle ein Fall, bei dem die Story stimmen könnte – die Bilanz aber erst beweisen muss, dass sie mithält.

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