Oracle kommt nicht zur Ruhe. Nach Informationen von Business Insider bereitet der Softwarekonzern eine neue Entlassungswelle für August vor, bei der einzelne Teams zweistellige Prozentanteile ihrer Belegschaft verlieren könnten. Manager sollen bereits Listen betroffener Mitarbeiter zusammenstellen, die Umsetzung ist vor Beginn des zweiten Geschäftsquartals am 1. September geplant. Oracle selbst wollte sich dazu nicht äußern.
Der Schritt folgt auf einen bereits massiven Personalabbau: Im Geschäftsjahr 2026 strich Oracle 21.000 Stellen, 13 Prozent der gesamten Belegschaft, die Mitarbeiterzahl sank von 162.000 auf 141.000. Die Restrukturierung kostete das Unternehmen 1,8 Milliarden Dollar, nach 374 Millionen Dollar im Vorjahr.
Kapitalhunger treibt den Kurs
Der Grund für den Sparkurs liegt in den Ausgaben für Künstliche Intelligenz. Oracles Investitionen in Rechenzentren kletterten im Geschäftsjahr 2026 um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf minus 23,7 Milliarden Dollar, verglichen mit nur minus 394 Millionen Dollar im Vorjahr.
Um die Lücke zu schließen, hat Oracle bereits 43 Milliarden Dollar an Schulden aufgenommen und Aktien im Wert von 5 Milliarden Dollar verkauft. Weitere rund 40 Milliarden Dollar an frischem Kapital sollen folgen.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einer Netto-Investitionssumme von etwa 70 Milliarden Dollar allein für KI-Infrastruktur. Anleger reagierten am Dienstag mit einem Ausverkauf: Die Aktie verlor an der Wall Street rund 3,7 Prozent auf 145,48 Dollar, nachdem die Sorgen um die Finanzierbarkeit der KI-Ausgaben erneut aufgeflammt waren. Im deutschen Handel schloss das Papier bei 126,16 Euro, ein Minus von 3,61 Prozent zum Vortag.
Konkurrenz um Kapital
Zusätzlich unter Druck setzte Oracle eine Meldung zu Nvidia: Der Chiphersteller hat sich mit den Investmentfirmen Apollo, Blackstone, BlackRock, Brookfield, Goldman Sachs und KKR zusammengetan, um rund 500 Milliarden Dollar an Fremdkapital für Neocloud-Anbieter zu mobilisieren – Nvidia stellt das Geld also nicht selbst bereit, sondern vermittelt den Zugang zu Investorenkapital.
Die Nachricht ließ am Dienstag Konkurrenten wie Nebius um 3,71 Prozent auf 190,94 Dollar steigen, während Oracle um 3,93 Prozent auf 145,12 Dollar nachgab. Anleger scheinen Oracle im Wettlauf um günstige Finanzierung als Nachzügler einzustufen, obwohl der Konzern mit seinem Cloud-Infrastrukturgeschäft im vierten Fiskalquartal ein Umsatzplus von 93 Prozent auf 5,79 Milliarden Dollar auswies.
Die vertraglich gesicherten Auftragsbestände (RPO) beliefen sich zuletzt auf 638 Milliarden Dollar, gestützt auch durch den milliardenschweren Fünfjahresvertrag mit OpenAI über rund 300 Milliarden Dollar, der 2027 beginnt.
Bewertung bleibt gespalten
Trotz des Kursrutsches sehen viele Analysten Oracle als unterbewertet. Nach Berechnungen von GuruFocus notiert die Aktie mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 6,3 gegenüber dem Fünfjahresmedian von 5,4, während der ermittelte GF Value bei 190,26 Dollar liegt – rund 23,5 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Der Analystenkonsens signalisiert mehrheitlich Kaufempfehlungen mit Kurszielen deutlich über 200 Dollar. Gleichzeitig verkauften Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 63,7 Millionen Dollar, ohne dass Käufe dagegenstanden – ein Signal, das die Skepsis am Markt nährt.
Parallel zu den Finanzierungssorgen treibt Oracle sein Cloud-Geschäft technologisch voran: Am Dienstag kündigte der Konzern eine mehrjährige Partnerschaft mit Quantinuum an.
Deren Quantencomputer Helios, ausgestattet mit 98 Qubits und einer Gate-Fidelity von 99,921 Prozent, soll in einem US-Rechenzentrum der Oracle Cloud Infrastructure bereitgestellt werden – ein Baustein für künftige hybride Quanten-KI-Anwendungen, dessen kommerzieller Nutzen sich aber erst mittelfristig zeigen dürfte.
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