Nach dem Zahlensprung beginnt die eigentliche Bewertungsfrage
Die Oracle-Aktie erholt sich seit dem gestrigen Handelstag um 2,3 Prozent, nachdem Anleger die jüngsten Quartalszahlen inzwischen differenzierter einordnen. Der Umsatz kletterte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar, das Cloud-Infrastrukturgeschäft legte sogar um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu.
Für Anleger stellt sich jetzt eine andere Frage als noch vor Tagen: Trägt das Wachstumstempo die enormen Investitionen, die Oracle für den KI-Ausbau stemmt? Die Antwort entscheidet, ob die Erholung von der jüngsten Talfahrt anhält oder nur eine technische Gegenbewegung bleibt.
Die entscheidende Kennzahl ist der freie Cashflow, nicht der Umsatz
Während die Umsatzzahlen die Wachstumsstory bestätigen, liegt der eigentliche Knackpunkt in der Kapitalallokation. Der operative Cashflow erreichte im ersten Quartal einen Rekordwert von 23 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig türmten sich die Investitionsausgaben auf 28 Milliarden Dollar, sodass der freie Cashflow mit minus 5 Milliarden Dollar ins Negative drehte. Oracle bestätigte die Jahresprognose für Investitionen von 90 bis 95 Milliarden Dollar und verweist zur Finanzierung auf Kundenvorauszahlungen sowie zusätzliche Finanzierungsvereinbarungen.
Für Anleger bedeutet das: Solange die Vorauszahlungen der Kunden mit dem Tempo der Investitionen mithalten, bleibt das Modell tragfähig. Verlangsamt sich die Nachfrage nach Cloud-Kapazitäten, würde die Finanzierungslücke schnell sichtbar.
Bullen setzen auf die Auslastung der GPU-Flotte
Für Optimisten spricht die operative Realität im Rechenzentrumsgeschäft. Oracle betreibt mittlerweile mehr als 300.000 GPUs bei einer Auslastung von 97,9 Prozent – ein Wert, der kaum Spielraum für Leerstand lässt und auf anhaltend hohe KI-Nachfrage hindeutet.
Das Unternehmen hob zudem die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mindestens 90 Milliarden Dollar an und stellte einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 8,10 Dollar in Aussicht. Für das zweite Quartal erwartet Oracle ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent.
Sollte sich dieses Tempo bestätigen, dürfte der massive Kapitaleinsatz mittelfristig in stabilere Cashflows münden. Auch die parallel gemeldete Investition in eine 1,7-Gigawatt-Windenergiekapazität in Texas, die Oracle bis 2035 für den Betrieb klimaneutraler Rechenzentren vorsieht, signalisiert langfristige Planungssicherheit für den Ausbau.
Bären verweisen auf sinkende Kursziele trotz starker Zahlen
Kritischer bewerten mehrere Analysehäuser die Lage. Scotiabank senkte am 9. September das Kursziel von 241 auf 215 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Sector Outperform“. BMO Capital Markets folgte am 11. September mit einer Reduzierung von 220 auf 195 Dollar, ebenfalls bei unveränderter „Outperform“-Einstufung.
Diese Kürzungen trotz übertroffener Erwartungen deuten darauf hin, dass Analysten die Bewertung angesichts des negativen freien Cashflows und der hohen Investitionslast neu justieren. Hinzu kommt strukturelles Misstrauen: Vize-Chairman Jeffrey Henley hatte im Juni 400.000 Aktien im Wert von rund 63,7 Millionen Dollar verkauft, was seine Beteiligung um die Hälfte reduzierte – zwar im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans, aber ein Signal, das Anleger im Hinterkopf behalten dürften.
Bleibt die Cloud-Nachfrage hinter den optimistischen Erwartungen zurück, könnte sich die Kombination aus hohem Investitionsdruck und vorsichtigeren Kurszielen als Belastung erweisen.
Der nächste Prüfstein folgt mit den Quartalszahlen zum zweiten Geschäftsquartal
Für die kommenden Wochen bleibt die zentrale Leitlinie: Solange die Kundenvorauszahlungen und die GPU-Auslastung hoch bleiben, dürfte der Markt die negativen Free-Cashflow-Zahlen als vorübergehende Wachstumsinvestition tolerieren.
Kippt jedoch die Wachstumsrate im zweiten Quartal unter die avisierte Spanne von 30 bis 34 Prozent, dürfte die Skepsis der Analysten – wie zuletzt bei Freedom Broker, das seine Kurszielsenkung auf 205 Dollar am 17. September bekräftigte – an Gewicht gewinnen.
Der nächste konkrete Prüfstein sind die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal, an denen sich zeigen wird, ob das angekündigte Wachstumstempo tatsächlich Bestand hat oder ob die Finanzierungslast das Bild eintrübt.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 17. September liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
