Oracle Aktie: Anleger trauen der KI-Rechnung nicht

Symbolbild, KI-generiert

Oracle stellt hohe Umsatz- und Margenziele für 2030 vor; Anleger zweifeln am Ertrag der KI-Investitionen.

Auf einen Blick:
  • Kursverlust von 3,2 Prozent am Freitag
  • Scotiabank senkt Kursziel auf 205 Dollar
  • Mindestens 225 Milliarden Dollar Umsatz für 2030 angepeilt
  • Positiver Mittelzufluss ab Geschäftsjahr 2028 in Aussicht gestellt

Oracle verzeichnete am Freitag im Sog wachsender Zweifel an der Wirtschaftlichkeit großer KI-Investitionen eine Kursveränderung von -3,2%. Medienberichten zufolge belasteten Amazons Ergebnisse und dessen hohe Ausgabenpläne das Umfeld für KI-Infrastruktur. Für mich liegt darin der entscheidende Punkt: Anleger bewerten nicht allein die Größe des versprochenen Geschäfts, sondern zunehmend auch die Aussicht auf einen wirtschaftlichen Ertrag.

Das ist für Oracle eine anspruchsvolle Konstellation. Das Unternehmen hat am Mittwoch weitreichende Geschäftsziele vorgestellt und am Dienstag zusätzliche Kooperationen angekündigt. Trotzdem geriet die Aktie unter Druck. Die neuen Perspektiven konnten die Skepsis gegenüber dem Investitionsmodell im KI-Geschäft an diesem Handelstag nicht aufwiegen.

Der Markt verlangt mehr als Wachstum

Die Sorge reicht über Oracle hinaus. Hohe Bewertungen, enorme Ausgaben und Zweifel an ausreichenden Investitionserträgen belasteten am Freitag Technologieaktien. Oracle wurde damit Teil einer grundsätzlichen Neubewertung: Große Zukunftsmärkte sind nicht automatisch gleichbedeutend mit attraktiven wirtschaftlichen Ergebnissen für ihre Anbieter.

Hinzu kam eine Oracle-spezifische Lesart der Branchendebatte. Medienberichten zufolge wurden Äußerungen von Microsoft-Chef Satya Nadella über die Abhängigkeit von KI-Cloud-Anbietern von wenigen Großkunden als Kritik an Oracles Geschäftsmodell verstanden. Das ist eine Interpretation seiner Aussagen, keine neue Unternehmensmeldung von Oracle.

Auch die Analystenreaktion passt zu diesem Spannungsverhältnis. Medienberichten zufolge senkte Scotiabank am Freitag das Oracle-Kursziel von $215 auf $205. Damit steht neben den langfristigen Unternehmenszielen eine zurückhaltendere Bewertung durch das Analysehaus.

Aus meiner Sicht führt die Frage nach dem nächsten großen KI-Auftrag deshalb zu kurz. Entscheidend ist, wie belastbar das Geschäft wird, das aus solchen Investitionen und Kundenbeziehungen entstehen soll. Wachstum, Kundenkonzentration und Mittelzufluss gehören in derselben Betrachtung zusammen.

Oracles Ziele sind ein Leistungsversprechen

Am Mittwoch stellte Oracle für das Geschäftsjahr 2030 einen Gesamtumsatz von mindestens 225 Milliarden $ und eine bereinigte operative Marge von mindestens 40% in Aussicht. Das sind Unternehmensziele, keine bereits erzielten Ergebnisse.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Die Prognose beschreibt nicht nur eine größere Geschäftsbasis, sondern auch den Anspruch auf hohe Profitabilität. Wer das Potenzial beurteilen will, muss deshalb beides betrachten: den geplanten Umfang des Geschäfts und dessen erwartete Ertragskraft.

Oracle peilt außerdem einen bereinigten Gewinn je Aktie von mindestens 21 $ an. Ein positiver freier Mittelzufluss soll in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 erreicht werden.

Damit enthält der Ausblick einen konkreten Übergangspunkt. Die Investitionsgeschichte soll nicht dauerhaft allein von künftiger Nachfrage leben. Oracle stellt auch einen Zeitpunkt in Aussicht, ab dem sich die Expansion in einem positiven freien Mittelzufluss niederschlagen soll.

Für das Geschäftsjahr 2029 lautet das Ziel mindestens 30 Milliarden $ freier Mittelzufluss. Dieser Betrag gehört zum angekündigten Ausblick und darf nicht mit bereits verfügbarer Liquidität verwechselt werden.

Kooperationen erweitern die Möglichkeiten

Die am Dienstag angekündigten Partnerschaften liefern dazu den strategischen Hintergrund. Google-TPUs sollen über Oracle Cloud Infrastructure angeboten werden. Der Aufbau entsprechender Kapazitäten soll im Kalenderjahr 2027 beginnen. Die Ankündigung erweitert damit das geplante Angebot, beschreibt aber noch keine abgeschlossene Bereitstellung.

Parallel haben Oracle und OpenAI eine erweiterte Zusammenarbeit angekündigt. Oracle-Anwendungen und -Daten sollen in ChatGPT eingebunden werden. Umgekehrt sollen OpenAI-Modelle und -Produkte in neue Oracle-Angebote einfließen. Hier geht es also nicht allein um Rechenkapazität, sondern auch um die Verbindung von Anwendungen, Daten und KI.

Für mich ist das die eigentliche Spannung hinter dem Kursrückgang: Oracle erweitert seine angekündigten Möglichkeiten, während Anleger genauer nach deren wirtschaftlichem Ergebnis fragen. Die Kooperationen stützen die Wachstumsargumentation. Ob daraus die angestrebte Profitabilität und der versprochene Mittelzufluss entstehen, müssen sie erst beweisen. Genau daran wird sich die KI-Geschichte für Oracle messen lassen müssen.

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