Oracle Aktie: 93 Prozent Cloud-Wachstum, Kurs fällt

Trotz Rekordumsätzen und starkem Cloud-Wachstum verliert die Oracle-Aktie massiv an Wert. Analysten diskutieren über die hohen Investitionskosten.

Auf einen Blick:
  • Aktie verliert trotz Rekordzahlen massiv
  • Cloud-Umsatz steigt um 93 Prozent
  • Neue KI-Software soll Margen verbessern
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Ein Kurssturz von über 36 Prozent binnen eines Monats – und das, obwohl Oracle gerade Rekordumsätze gemeldet hat. Diese Diskrepanz treibt Anleger derzeit um. Am Freitag legte die Aktie zwar um 2,83 Prozent auf 126,30 Euro zu, doch das ändert wenig am Gesamtbild: Seit dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro im September 2025 hat das Papier mehr als die Hälfte seines Werts verloren.

Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,22 Prozent zu Buche, auf Jahressicht sind es sogar 37,49 Prozent. Der RSI von 30,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Der Kurs notiert derzeit rund 21 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und etwa 25 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Die Diskrepanz zwischen Fundamentaldaten und Kursverlauf wirkt auf den ersten Blick paradox. Am 10. Juni 2026 legte Oracle Zahlen für das vierte Quartal des Fiskaljahres 2026 vor. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 2,11 Dollar über den Erwartungen der Analysten.

Treiber war die Cloud-Sparte Oracle Cloud Infrastructure. Die Erlöse aus diesem Bereich sprangen um 93 Prozent nach oben. Nachfrage nach Rechenkapazität für KI-Training und Inferenz treibt das Wachstum weiter an.

Allerdings zahlt Oracle einen Preis dafür. Die Bruttomargen sanken, weil der schnelle Ausbau neuer Rechenzentren hohe Kosten verursacht. Für das Fiskaljahr 2027 stellt das Management ein Umsatzwachstum von 34 Prozent in Aussicht, bei konstanten Wechselkursen. Im ersten Quartal des neuen Fiskaljahres soll die Cloud-Sparte zwischen 58 und 64 Prozent zulegen. Der Margendruck dürfte dabei bestehen bleiben, solange die Infrastrukturinvestitionen anhalten.

Neue KI-Produkte statt reiner Infrastruktur

Während der Markt über die Nachhaltigkeit des KI-Booms diskutiert, verschiebt Oracle den eigenen Fokus. Statt nur Rechenleistung zu verkaufen, will der Konzern zunehmend fertige KI-Software anbieten – mit höheren Margen.

Ende Juni 2026 brachte Oracle vier neue „Fusion Agentic Applications“ auf den Markt. Diese Tools sind in die Cloud-Suite für Supply Chain und Fertigung integriert. Autonome KI-Agenten übernehmen dort Aufgaben wie Lagerbestandsübersicht und Effizienzsteigerung in der Produktion.

Am 30. Juni folgte „Oracle Manager Edge“. Der KI-gestützte Coaching-Assistent ist Teil der HCM-Plattform für Personalmanagement. Er liefert Führungskräften Echtzeitdaten und Coaching-Vorschläge, um die Teamleistung zu verbessern.

Analysten uneins, Blick auf September

Die Einschätzungen am Markt gehen auseinander. Einige Häuser haben ihre Kursziele wegen der hohen Investitionsausgaben gesenkt. KeyBanc und Mizuho dagegen halten an positiven Einstufungen fest. Beide verweisen auf den offenen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar als Beleg für anhaltende Nachfrage.

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am 14. September 2026 veröffentlicht Oracle die Zahlen für das erste Quartal des Fiskaljahres 2027. Dieser Bericht wird zeigen, ob der Konzern seinen gewaltigen Auftragsbestand endlich in bessere Margen umwandeln kann.

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