638 Milliarden Dollar an zukünftigen Einnahmen im Auftragsbuch. Das ist eine Zahl, die normalerweise Jubelstürme auslöst. Bei Oracle sorgt sie derzeit für Panik. Der Konzern baut die Infrastruktur für das KI-Zeitalter. Das kostet unvorstellbare Summen. Anleger ziehen die Reißleine. Allein im letzten Monat stürzte die Aktie um fast 32 Prozent ab.
Explodierende Kosten
Oracle will das Fundament für generative Künstliche Intelligenz gießen. Dieser Umbau verschlingt extrem viel Kapital. Im abgelaufenen Geschäftsjahr explodierten die Investitionen um 162 Prozent. Die Folge: Der freie Cashflow stürzte tief in den roten Bereich ab. Er landete bei minus 23,7 Milliarden Dollar.
Um dieses rasante Wachstum weiter zu befeuern, braucht das Management frisches Geld. Für das Fiskaljahr 2027 plant der Konzern Ausgaben von 95 Milliarden Dollar. Oracle muss dafür rund 40 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt aufnehmen. Die Hälfte davon soll über die Ausgabe neuer Aktien fließen. Das verwässert den Anteil der bisherigen Aktionäre massiv. Kein Wunder, dass der Markt nervös reagiert.
Die OpenAI-Abhängigkeit
Mehr als die Hälfte des gigantischen Auftragsbestands hängt an einem einzigen Kunden. Nämlich an OpenAI. Das sogenannte Stargate-Programm steht im Zentrum dieser Allianz. Oracle plant hier gemeinsam mit OpenAI und SoftBank riesige Rechenzentren. Hier trifft grenzenlose Ambition auf die harte Realität.
Bereits im Winter kursierten Gerüchte über verschobene Liefertermine. Oracle wies diese Berichte scharf zurück. Im Frühjahr folgte der nächste Dämpfer. Die Partner strichen die geplante Erweiterung ihres Vorzeige-Rechenzentrums im texanischen Abilene. Die Finanzierung erwies sich als zu komplex. Die bestehende Anlage wird gebaut. Der Ausbau auf zwei Gigawatt fällt jedoch aus.
Historischer Absturz
Der massive Kapitalbedarf und gestrichene Projekte vernichten Vertrauen. An der Börse wird hart abgerechnet. Aktuell notiert das Papier rund 55 Prozent unter dem letzten 52-Wochen-Hoch. Auf Jahressicht steht ein Verlust von über 36 Prozent auf der Anzeigetafel.
Reicht der Kursrutsch auf 126 Euro als Einstiegssignal für Anleger? Der Relative-Stärke-Index fiel zuletzt auf einen Wert von 30,4. Die Aktie gilt damit als überverkauft. Einige institutionelle Adressen wie William Blair bleiben optimistisch. Sie verweisen auf den strukturellen Bedarf an KI-Infrastruktur. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei rund 221 Euro.
Für überzeugte Langfrist-Investoren bietet das Niveau knapp über dem Jahrestief eine seltene Chance. Die Wette auf den Ausbau der KI-Netze läuft. Die Risiken sind allerdings klar definiert. Der negative Cashflow und die anstehende Aktienausgabe begrenzen den Spielraum enorm. Erst wenn das Management die gigantischen Investitionen in echte Gewinne dreht, endet dieser Ausverkauf endgültig.
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