Trotz eines massiven Auftragswachstums durch Partnerschaften mit Schwergewichten wie OpenAI sieht sich der Softwarekonzern Oracle mit erheblichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert.
Während die Cloud-Infrastruktur-Sparte (OCI) Rekordzuwächse verzeichnet, belasten die hohen Investitionskosten für Rechenzentren und eine steigende Schuldenlast die Bilanz. Vor den am 8. September erwarteten Quartalszahlen für das erste Vierteljahr des Geschäftsjahres 2027 ringt der Konzern um das Vertrauen der Anleger.
Rekordwerte beim Auftragsbestand durch OpenAI
Oracle konnte im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres 2026 seinen Umsatz um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar steigern. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Cloud-Infrastruktur, die ein Wachstum von 93 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar verzeichnete.
Besonders beeindruckend zeigt sich die Entwicklung bei den verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO), die um 363 Prozent auf insgesamt 638 Milliarden US-Dollar emporgeschnellt sind.
Medienberichten zufolge entfallen allein 300 Milliarden US-Dollar dieses Bestandes auf Aufträge von OpenAI. Gründer Larry Ellison forciert den Ausbau der KI-Cloud und der Fusion-SaaS-Plattformen massiv, um von der hohen Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz zu profitieren. Aktuell notiert das Papier bei 125,72 Euro und liegt damit nur hauchdünn um 0,4 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 125,27 Euro.
Hoher Kapitalbedarf belastet den Cashflow
Die Expansion im Bereich der KI-Rechenzentren fordert jedoch ihren Tribut. Im Geschäftsjahr 2026 verzeichnete Oracle einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden US-Dollar. Die langfristigen Schulden beliefen sich zuletzt auf 122 Milliarden US-Dollar, wobei das Unternehmen bereits die Aufnahme weiterer 40 Milliarden US-Dollar plant, um die notwendigen Kapazitäten zu finanzieren.
Diese aggressive Finanzierungsstrategie hat Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur S&P stuft Oracle derzeit mit einem Rating von BBB- ein. Dass diese Bewertung handfeste Konsequenzen hat, zeigte sich am 17. August in Wisconsin: Oracle zog dort eine Klage gegen lokale Regulierungsbehörden zurück.
Die geltenden Regeln für Rechenzentren verlangen von Unternehmen mit einem Rating unterhalb der A-Schwelle jährliche Sicherheitsleistungen von über 100 Millionen US-Dollar. Für das geplante Port-Washington-Projekt mit einem Bedarf von 1,3 Gigawatt stellt dies eine zusätzliche finanzielle Hürde dar.
Externer Kostendruck durch Hardware-Preise
Zusätzlich zu den internen Investitionskosten droht Oracle Ungemach vonseiten der Zulieferer. Bloomberg berichtete gestern, dass Nvidia seine Preise für KI-Server für Großkunden ab Anfang 2027 um mehr als 15 Prozent anheben wird.
Betroffen sind vor allem die neuen Systeme der Generationen Vera Rubin und Grace Blackwell, die Oracle für seine OCI-Plattform benötigt. Als Grund für die Preiserhöhungen werden gestiegene Kosten für Speichermodule angeführt.
Trotz dieser Belastungen erscheint die Bewertung von Oracle im Vergleich zum Gesamtmarkt moderat. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 24,7 liegt das Unternehmen unter dem Durchschnitt des S&P 500 (26,5) und deutlich unter dem Niveau des Nasdaq-100 (35).
Dennoch spiegelt der Markt die Skepsis hinsichtlich der Verschuldung wider: Die Aktie liegt derzeit mit 125,72 Euro etwa 57 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro. Ob die hohen Auftragsbestände die Sorgen um die schrumpfende Liquidität langfristig verdrängen können, wird maßgeblich von der Marge der neuen KI-Projekte abhängen.
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