Oracle-Aktionäre haben eine harte Woche hinter sich – und trotzdem etwas zum Aufatmen. Die Aktie schloss am Freitag bei 112,60 Euro, ein Plus von 1,77 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangene Woche summiert sich der Anstieg auf 11,31 Prozent.
Der Auslöser: eine vertiefte Cloud-Partnerschaft mit Google. Oracle wird seinen Geschäftskunden Googles Gemini-KI-Modelle zugänglich machen, eingebettet in das AI Agent Studio für Fusion Applications. Zusätzlich plant der Konzern, Gemini in Oracle Fusion Applications und Oracle NetSuite einzubauen. An dem Tag, an dem die Nachricht bekannt wurde, sprang die Aktie um mehr als 8 Prozent nach oben.
Die Erholung ist beachtlich, ändert aber wenig am Gesamtbild. Das Jahr bleibt für Oracle eine Enttäuschung: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 32,25 Prozent zu Buche. Erst Ende Juli markierte die Aktie mit 100,76 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, bevor Käufer wieder einstiegen.
Der Rückstand bleibt gewaltig
Analysten mahnen zur Vorsicht bei der Einordnung des jüngsten Sprungs. Fünf Handelstage sind schlicht zu wenig, um von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen – zumal Oracle in der Vergangenheit für heftige Ausschläge in beide Richtungen bekannt war. Die Aktie bewegt sich damit noch immer deutlich näher an ihrem Jahrestief als an ihrem Hoch.
Der Rückstau als eigentliche Geschichte
Hinter der kurzfristigen Kursbewegung tobt eine andere Debatte: die um Oracles Bilanz. Im vierten Fiskalquartal 2026 wuchs der Umsatz um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar, angetrieben von einem Plus von 93 Prozent bei der Cloud-Infrastruktur. Der Umsatz aus Cloud-Anwendungen legte um 10 Prozent zu.
Für das Gesamtjahr überschritt Oracle die Marke von 67 Milliarden US-Dollar Umsatz. Weit wichtiger für Anleger ist jedoch eine andere Zahl: Der Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations, kletterte auf 638 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 363 Prozent. Auf dieser Basis rechnet das Management für das Fiskaljahr 2027 mit einem Umsatzwachstum von 34 Prozent zu konstanten Wechselkursen.
Dieser Rückstau ist Oracles größtes Kapital – und gleichzeitig sein größtes Risiko. Denn das Wachstum kostet. Für das Fiskaljahr 2027 kalkuliert das Management mit rund 70 Milliarden US-Dollar an Netto-Investitionen, teilweise finanziert über frisches Fremd- und Eigenkapital von etwa 40 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge dürfte im laufenden Ausbau der KI-Infrastruktur weiter sinken.
Genau hier liegt der Kern des Konflikts, den der Markt gerade auspreist. Ein gigantischer Auftragsbestand trifft auf eine Finanzierungslast, die Investoren nervös macht. Kein Wunder, dass die Aktie so heftig schwankt: Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 53,56 Prozent zählt Oracle derzeit zu den unruhigsten Large-Cap-Werten überhaupt.
Was als Nächstes ansteht
Oracle meldet seine nächsten Quartalszahlen am 8. September 2026. Bis dahin bleibt der Markt auf Nachrichten zur KI-Partnerschaft mit Google sowie auf Kommentare anderer Hyperscaler zu deren Investitionsplänen angewiesen. Entscheidend wird sein, ob Oracle im Detail zeigen kann, wie der Konzern seinen Rechenzentrums-Ausbau finanziert, ohne den freien Cashflow weiter zu belasten.
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