Oracle-Aktien versuchen sich an einer Erholung. Nach dem frischen 52-Wochen-Tief von 100,76 Euro am Dienstag steht der Kurs jetzt bei 105,30 Euro, ein Plus von 2,23 Prozent. Die Erleichterung wirkt fast trotzig angesichts der Zahlen der letzten Monate.
Ein brutaler Absturz
Seit dem Rekordhoch von 280,70 Euro im September hat die Aktie mehr als 60 Prozent verloren. Allein in den vergangenen 30 Tagen ging es um fast 18 Prozent nach unten, auf Jahressicht steht ein Minus von über 36 Prozent. Der RSI von 34,7 signalisiert überverkaufte Bedingungen — ein Hinweis, dass der Verkaufsdruck zumindest kurzfristig übertrieben haben könnte.
Oracle steckt gerade mitten in einer der teuersten Wetten der Tech-Branche. Der Konzern pumpt Milliarden in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, ohne Garantie, dass sich diese Investition auszahlt. Parallel dazu hat Oracle im vergangenen Jahr rund 21.000 Stellen abgebaut, etwa 13 Prozent der Belegschaft.
Diese Kombination verunsichert Investoren. Ein Unternehmen, das massiv Personal streicht und zugleich zig Milliarden in neue Server-Kapazitäten steckt, sendet gemischte Signale über das eigene Vertrauen in den Wachstumskurs.
Analysten widersprechen dem Markt
Trotz des Ausverkaufs hält die Wall Street mehrheitlich an ihren Kaufempfehlungen fest. Die meisten Analysten bewerten Oracle weiterhin als starken Kauf. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs.
Diese Lücke zwischen Marktpreis und Analystenerwartung ist in den letzten Tagen sogar noch gewachsen, während die Aktie am 24., 25. und 28. Juli neue Tiefstände markierte.
Woher der Kapitalbedarf kommt
Der eigentliche Auslöser des Ausverkaufs liegt in der Bilanz. Oracles Investitionsausgaben explodierten im Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie die 21,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Großteil davon fließt in KI-Rechenzentren und leistungsstarke Computing-Cluster.
Die Folge: ein tiefes Loch im freien Cashflow. Trotz eines um 54 Prozent gestiegenen operativen Cashflows von 32,0 Milliarden Dollar rutschte der freie Cashflow auf minus 23,7 Milliarden Dollar. Oracle ist damit auf frisches Kapital von außen angewiesen, um das Ausbauprogramm fortzusetzen.
Um die Lücke zu schließen, hat der Konzern im Geschäftsjahr 2026 bereits 43 Milliarden Dollar an neuen Schulden aufgenommen. Für 2027 plant das Management weitere 40 Milliarden Dollar an Kapital, unter anderem über ein im Februar genehmigtes Aktienprogramm im Volumen von 20 Milliarden Dollar. Erholt sich der Kurs, drohen Aktionären dadurch Verwässerungseffekte.
Rückenwind aus dem Cloud-Geschäft
Die Optimisten verweisen auf den prall gefüllten Auftragsbestand als Rechtfertigung für die hohen Ausgaben. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 um 17 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar. Im Cloud-Infrastrukturgeschäft legte der Umsatz sogar um 77 Prozent zu, im vierten Quartal allein um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.
Skeptiker richten den Blick dagegen auf die Zinslandschaft. Sollte der neue Fed-Chef Kevin Warsh die Zinsen anheben, würde das die ohnehin hohe Schuldenlast von Oracle noch teurer machen. Ein solches Szenario könnte den Ausbau der Rechenzentren verzögern und damit auch die Umwandlung des Auftragsbestands in tatsächliches Wachstum bremsen.
Die nächsten Quartalszahlen sind für September angesetzt. Dann zeigt sich, ob das Cloud-Wachstum die Sorgen um Schuldenlast und Cash-Verbrauch aufwiegen kann.
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