Oracle liefert derzeit im Wochentakt Nachrichten, die eigentlich Kursfeuerwerk auslösen müssten. Und doch dümpelt die Aktie bei 127,30 Euro, ein Minus von 2,0 Prozent allein am heutigen Handelstag. Für mich zeigt genau diese Diskrepanz, worum es bei Oracle inzwischen wirklich geht: nicht mehr um die Frage, ob das Unternehmen Aufträge gewinnt, sondern ob es sie sich noch leisten kann.
Die gute Nachrichtenlage ist beeindruckend
Der Reihe nach: Am Donnerstag vergangener Woche weitete Oracle die Zusammenarbeit mit Amazon Web Services aus, mit Oracle AI Database@AWS als konkretem Produkt, das Kundenmigrationen beschleunigen soll.
Einen Tag zuvor hatte Oracle einen Schwung an KI- und Datenbank-Updates vorgestellt, von EBCDIC-Kompatibilität bei der Oracle AI Database 26ai bis zur Einbindung von NVIDIA Nemotron 3.5 Lightning in die OCI Enterprise AI.
Am 11. August kam die Meldung einer mehrjährigen Partnerschaft mit Quantinuum, deren Quantencomputer Helios künftig über die Oracle Cloud Infrastructure verfügbar sein soll, wie Reuters berichtete.
Und am 23. Juli sicherte sich Oracle einen Zehnjahresvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium: 3,31 Milliarden US-Dollar Basisvolumen für die ersten fünf Jahre, bei Ausübung aller Optionen bis zu 6,99 Milliarden US-Dollar.
Wer nur diese Schlagzeilen liest, müsste Oracle für den unangefochtenen Gewinner des KI-Infrastrukturbooms halten. Genau diese einseitige Lesart halte ich für den Fehler, den der Markt inzwischen nicht mehr macht.
Die Kehrseite: geliehenes Wachstum
Reuters berichtete Anfang August über die Geschäftszahlen für das Fiskaljahr 2026 – und die Zahlen dahinter sind unbequem. Der freie Cashflow war negativ, die Investitionsausgaben massiv, und Oracle hat mittlerweile rund 260 Milliarden US-Dollar an Rechenzentrums-Mietverpflichtungen unterschrieben.
Yahoo Finance berichtete zudem, Oracle plane für August eine neue Entlassungsrunde, während das Unternehmen zugleich zweistellige Milliardenbeträge an Fremdkapital aufnimmt, um den KI-Rechenzentrumsausbau zu finanzieren. Reuters-nahe Berichte ergänzten, Führungskräfte seien bereits angewiesen worden, betroffene Mitarbeiter vor Beginn des zweiten Fiskalquartals am 1. September zu identifizieren.
Das ist für mich der eigentliche Kern der Geschichte: Oracle wächst gerade nicht aus eigener Kraft, sondern auf Kredit – und baut gleichzeitig Personal ab, um die Kosten dieses Wachstums zu decken. Diese Kombination spricht gegen die Erzählung vom sorgenfreien KI-Gewinner.
Was die Analysten daraus machen
Die jüngsten Kursziel-Anpassungen bestätigen meine Skepsis, ohne sie zu bestätigen ins Extreme zu treiben. JPMorgan senkte am heutigen Montag das Kursziel auf 200 US-Dollar von zuvor 210 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Overweight. UBS hatte bereits am 6. August das Ziel von 285 auf 245 US-Dollar gekappt, ebenfalls bei einem Kaufrating.
Beide Häuser trauen Oracle also weiterhin Kurspotenzial zu – senken aber gleichzeitig ihre Erwartungen. Das liest sich für mich wie ein vorsichtiges „Ja, aber“: Die Story stimmt im Kern, das Tempo und die Risiken haben sich jedoch verschlechtert.
Was die Kursdaten sagen
Die Marktdaten stützen dieses gemischte Bild. Vom 52-Wochen-Hoch bei 294,85 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, trennen die Aktie inzwischen 57 Prozent – ein brutaler Absturz, der die Euphorie rund um Oracles KI-Ambitionen längst eingepreist hat.
Auf Jahressicht steht ein Minus von 40 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 23 Prozent. Zugleich notiert der Kurs mit 26 Prozent Abstand deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 100,76 Euro, das erst Ende Juli markiert wurde – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil des Ausverkaufs bereits hinter Oracle liegen könnte.
Mein Fazit
Oracle beweist technologisch und vertrieblich, dass es im KI-Infrastrukturgeschäft mitspielen kann – die Deals mit AWS, Quantinuum und dem Pentagon sind keine Randnotizen. Doch die Finanzierung dieses Wachstums über wachsende Schulden und Personalabbau lässt für mich Zweifel daran, wie nachhaltig das Tempo wirklich ist.
Die Kursziel-Kürzungen von JPMorgan und UBS deuten in dieselbe Richtung: Potenzial ja, aber mit spürbar mehr Vorsicht als noch vor wenigen Monaten. Für mich bleibt Oracle damit eine Wette mit zwei sehr unterschiedlichen Ausgängen – und der Markt hat sich, nüchtern betrachtet, noch nicht entschieden, welcher davon eintritt.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 17. August liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
