Oracle Aktie: 40 Milliarden Dollar neue Schulden geplant

Oracles gigantische Auftragsbücher täuschen über massive Schulden und einen negativen Cashflow hinweg, was Anleger verunsichert.

Auf einen Blick:
  • Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar
  • Freier Cashflow tief im Minus
  • Geplante Neuverschuldung von 40 Milliarden
  • Aktie verliert über 56 Prozent seit Rekord

Oracle erzählt eine beeindruckende Geschichte von endlosem Wachstum, doch Anleger kaufen diese Zukunftsvision nicht mehr blind. Die Börse bewertet die Aktie aktuell mit 121,48 Euro. Der Markt fokussiert sich zunehmend auf die bittere Realität. Wie viel Geld muss der Software-Riese verbrennen, um seine Auftragsbücher abzuarbeiten? Der gestrige Kursrückgang um 1,98 Prozent passt ins Bild. Auf Monatssicht verlor das Papier sogar 33,87 Prozent. Die Erzählung verschiebt sich. KI-Fantasie weicht harten Zweifeln an der finanziellen Stabilität.

Ein Versprechen über Milliarden

Auf dem Papier glänzt der Konzern mit vertraglich zugesicherten Umsätzen von sagenhaften 638 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem massiven Zuwachs von 363 Prozent zum Vorjahr und suggeriert absolute Marktmacht. Ein Trugschluss. Genau diese einseitige Auftragsstruktur verunsichert Investoren zutiefst.

Rund 300 Milliarden Dollar dieser Zusagen stammen allein von OpenAI. Das Management warnt in eigenen Berichten bereits vor konkreten Ausfallrisiken. Weil kurzfristig nur 12 Prozent dieses Auftragsbestands als echter Umsatz zufließen, entstehen zunächst extreme Ausgaben. Die Aktie stürzte folgerichtig ab und notiert aktuell 56,72 Prozent unter ihrem Rekordhoch.

Tiefe Löcher im Cashflow

Der Aufbau der nötigen KI-Infrastruktur sprengt momentan alle Dimensionen. Management und Vorstand planen für das Geschäftsjahr 2027 gewaltige Investitionen von 95 Milliarden Dollar. Bereits im Vorjahr rutschte der freie Cashflow tief in den roten Bereich, sodass am Ende ein operatives Minus von 23,7 Milliarden Dollar stand.

Oracle schließt diese gigantische Finanzierungslücke massiv über den Kapitalmarkt. Der Konzern verbucht bereits langfristige Schulden von über 122 Milliarden Dollar. Nun will das Management weitere 40 Milliarden Dollar aufnehmen. Diese aggressive Strategie trifft auf ein extrem ungünstiges Umfeld. Das eigene Kreditrisiko markiert ein Dreijahreshoch, während der Markt zunehmend eine Sättigung bei KI-Krediten signalisiert.

Skepsis dominiert den Markt

Die jüngste Schwäche des Gesamtmarktes belastet das Papier zusätzlich. Am Dienstag verlor der Nasdaq-Index rund 1,2 Prozent. Anleger hinterfragen die hohen Bewertungen von Cloud-Anbietern momentan extrem kritisch, was sich in Oracles Jahresminus von 27,26 Prozent widerspiegelt. Ein RSI-Wert von 27,9 kennzeichnet den Titel zwar technisch als überverkauft. Richtige Kursstabilität bleibt aber vorerst eine reine Illusion.

Trotz dieses massiven Gegenwinds positionieren sich Profianleger überraschend gespalten. Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei ambitionierten 220,15 Euro. Analysten von Piper Sandler raten sogar zur Übergewichtung der Papiere. Die Experten kalkulieren mit extrem hohen Margen der neuen Cloud-Infrastruktur, die den Schuldenberg später rechtfertigen sollen. Oracle pendelt damit exakt zwischen zwei Welten. Auf dem Papier wartet eine goldene Zukunft. In der Gegenwart dominiert allerdings ein gigantischer Kapitalbedarf.

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