Starke Nachfrage, schwache Kurse. Bei Oracle klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Softwarekonzern lieferte ein starkes Quartal ab. Dennoch schickten Investoren das Papier auf Talfahrt. Ein neuer Regierungsauftrag bringt nun frische Perspektiven.
Teure KI-Offensive
Das vierte Geschäftsquartal lief operativ glänzend. Der Gesamtumsatz stieg um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar.
Besonders das Cloud-Geschäft wuchs rasant. Die Erlöse in diesem Segment legten um 47 Prozent zu.
Die Folge: ein massiver Kursrutsch. Am Folgetag brach der Wert um bis zu zehn Prozent ein. Die Papiere rutschten von rund 201 in Richtung der 180-Dollar-Marke ab.
Der Grund liegt in den massiven Ausgaben. Oracle investiert aggressiv in neue Rechenzentren. Die Kapitalausgaben sprangen um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden US-Dollar. Das drückte den freien Cashflow tief ins Minus.
Finanzchefin Hilary Maxson hält an diesem Kurs fest. Für das Geschäftsjahr 2027 plant sie Investitionen von rund 70 Milliarden US-Dollar. Investoren fürchten eine Verwässerung durch mögliche Kapitalerhöhungen.
Das Management bestätigt indes die Umsatzprognose von 90 Milliarden US-Dollar für das kommende Jahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 8,05 US-Dollar steigen.
Regierungsauftrag stützt das Geschäft
Nur einen Tag nach dem Ausverkauf meldete Oracle einen wichtigen Erfolg. Die US-Personalbehörde OPM vergab einen Auftrag über knapp 396 Millionen US-Dollar an den Konzern. Oracle baut die erste behördenübergreifende HR-Plattform der Regierung.
Das neue System ersetzt mehr als 100 alte Programme. Es verwaltet künftig die Daten von rund zwei Millionen Zivilbeschäftigten. Die Behörde verspricht sich davon massive Kostensenkungen.
Volle Auftragsbücher
Die langfristige Nachfrage bleibt enorm. Die ausstehenden Leistungsverpflichtungen explodierten im Jahresvergleich auf 638 Milliarden US-Dollar. Um diesen Bedarf zu decken, schaltet Oracle allein im laufenden Quartal ein Gigawatt an neuer Rechenleistung frei.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Mark Moerdler von Bernstein hob sein Kursziel auf 325 US-Dollar an. Er rät weiterhin zum Kauf. Im Schnitt sehen 43 befragte Experten den fairen Wert bei rund 255 US-Dollar.
Die vollen Auftragsbücher belegen das enorme Kundeninteresse an den neuen KI-Lösungen. Oracle steht nun vor der Aufgabe, diesen Milliarden-Bestand zügig in Umsatz zu verwandeln. Gelingt diese Transformation im laufenden Quartal, relativieren sich auch die gigantischen Investitionskosten.
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