Auf den Aktienmonitoren leuchten tiefe rote Zahlen. Die wahre Geschichte des Absturzes steht allerdings woanders geschrieben. Sie offenbart sich am Kreditmarkt. Dort preisen Investoren die Ausfallversicherung für Oracle-Schulden extrem teuer ein. Ein historischer Höchststand.
Credit Default Swaps ignorieren viele Aktienanleger oft. Zumindest, bis diese Warnlampen grell aufleuchten. Die Prämie für fünfjährige Oracle-Kreditausfallversicherungen kletterte zuletzt auf rund 198 Basispunkte. Das ist kein Rundungsfehler. Es ist ein knallhartes Urteil des Marktes. Gläubiger zweifeln an der Bilanz, während Oracle das KI-Wettrüsten finanziert.
Oracle baute die langfristigen Schulden bis zum dritten Quartal auf 124,7 Milliarden Dollar aus. Dem steht ein operativer Cashflow von lediglich 17,3 Milliarden Dollar gegenüber. Eine gewaltige Lücke klafft zwischen Finanzbedarf und Mittelzufluss. Ein einstiger Cash-Garant mutiert zum hochverschuldeten Infrastruktur-Bauer.
Von der Hoffnung zur Kapitulation
Diese Sorge am Bondmarkt verlief in Wellen. Im Februar beruhigte ein massives Finanzierungspaket kurzzeitig die Nerven. Der Plan für frische Schulden in Milliardenhöhe ließ die Ausfallprämien sinken. Die Erleichterung hielt jedoch nicht lange an. Bereits im April erreichten die Spreads wieder Rekordwerte.
Die Fundamentaldaten verschlechterten sich derweil weiter. Oracle verfeuerte im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen. Das übertraf die ursprüngliche Prognose deutlich. Dann schockierte Finanzchefin Hilary Maxson mit dem neuen Ausblick. Für das kommende Jahr plant sie Netto-Investitionen von rund 70 Milliarden Dollar.
Der Aktienmarkt reagiert verheerend. Oracle verlor allein in den vergangenen 30 Tagen satte 33,12 Prozent an Wert. Der aktuelle Kurs von 122,86 Euro markiert einen dramatischen Absturz.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,70 Euro ist das Papier mittlerweile massiv entfernt. Die annualisierte Volatilität schoss auf 71,61 Prozent nach oben.
Der Stresstest für den KI-Boom
Oracles Schuldenstress ist kein isoliertes Problem. Die Aktie ist vielmehr ein Barometer für eine größere Debatte. Lässt sich der gewaltige KI-Infrastruktur-Aufbau nachhaltig finanzieren? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zog Ende Juni eine historische Parallele. Sie verglich den KI-Boom mit dem Eisenbahnbau und der Dotcom-Blase.
Oracle steht als extrem fremdfinanzierter Akteur im Zentrum dieses Vergleichs. Nicht, weil das operative Geschäft kollabiert. Sondern weil die Finanzstruktur der Firma den ultimativen Stresstest darstellt.
Technisch ist die Aktie stark überverkauft. Der RSI-Wert liegt bei niedrigen 28,6. Auch vom 50-Tage-Durchschnitt bei 159,60 Euro hat sich der Kurs klar nach unten abgesetzt. Das Konsens-Kursziel der Analysten liegt bei beachtlichen 220,15 Euro.
Diese Lücke verdeutlicht den tiefen Riss am Markt. Analysten glauben an die langfristige Cloud-Nachfrage. Investoren starren panisch auf das Bilanzrisiko.
Die wahre Rechnung
Die Auslastung der Rechenzentren steht überhaupt nicht zur Debatte. Die Nachfrage nach Infrastruktur boomt zweifellos. Das wahre Problem ist die massive Finanzierungslücke. Jeder zusätzliche Investitionsdollar aus neuen Schulden treibt die Risikoprämien weiter hoch.
Parallel dazu steigt der Abzinsungsfaktor für die Oracle-Aktie. Bis Oracle diese Finanzierungsfrage klärt, ändert sich der Charakter des Papiers. Die Aktie handelt nicht mehr wie ein solides Software-Unternehmen. Sie fungiert vielmehr als hochgradig gehebelte Wette auf die ferne Rentabilität des KI-Ausbaus.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 07. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 07. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
