Oracle Aktie: 165-Milliarden-Dollar-Projekt verzögert sich

Oracle kämpft mit Verzögerungen beim KI-Infrastrukturausbau und plant Stellenabbau. Die Aktie verliert deutlich, während Anleger die hohe Verschuldung kritisch sehen.

Auf einen Blick:
  • KI-Datenzentrum-Projekt erneut verschoben
  • Neue Entlassungsrunde beim Konzern
  • Aktie verliert 9,1 Prozent in Woche
  • Umsatzprognose für 2026 bestätigt

Oracle gerät erneut unter Druck. Das milliardenschwere Vorhaben, gigantische Rechenzentren für Künstliche Intelligenz aufzubauen, stößt auf einen weiteren Rückschlag. Berichten zufolge verzögert sich das rund 165 Milliarden Dollar schwere KI-Datenzentrum-Projekt erneut, während Anleger zunehmend die Schulden- und Investitionslast des Konzerns hinterfragen.

Die Aktie notiert aktuell bei 123,24 Euro und hat damit binnen einer Woche 9,1 Prozent verloren. Verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch vom 10. September bei 294,85 Euro liegt das Papier rund 58 Prozent im Minus – ein Ausmaß, das die tiefgreifende Neubewertung der Wachstumsstory widerspiegelt.

Sparkurs trifft auf Milliarden-Investitionen

Parallel zu den Verzögerungen beim Infrastrukturausbau plant Oracle einem Bericht von Business Insider zufolge eine neue Entlassungsrunde. Einzelne Teams sollen zweistellige Prozentsätze ihrer Belegschaft verlieren, Führungskräfte wurden aufgefordert, betroffene Mitarbeiter vor dem Start des zweiten Geschäftsquartals am 1. September zu benennen.

Der Sparkurs steht in auffälligem Kontrast zur Investitionsoffensive des Konzerns, der laut eigenen SEC-Mitteilungen im vergangenen Geschäftsjahr die Investitionsausgaben um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden Dollar steigerte. Der freie Cashflow rutschte dabei auf minus 23,7 Milliarden Dollar.

Diese Kombination aus explodierenden Investitionen und schrumpfender Belegschaft nährt Zweifel, ob Oracle das Tempo seines KI-Ausbaus finanziell durchhalten kann.

Bereits im Juli hatte die Ratingagentur S&P Global die Kreditwürdigkeit von Oracle von „BBB“ auf „BBB-“ gesenkt und dabei auf steigende Geschäftsrisiken sowie einen schwächeren Cashflow im Zuge der aggressiven Expansion in die KI-Cloud-Infrastruktur verwiesen.

Der Barmittelabfluss habe sich binnen vier Quartalen auf mehr als 20 Milliarden Dollar summiert, im kommenden Jahr könnten es bis zu 42 Milliarden Dollar werden.

Auftragsbestand als Gegengewicht

Dem stehen gigantische Auftragsbestände gegenüber: Zum Ende des vierten Geschäftsquartals meldete Oracle in einer Pflichtmitteilung einen Rekordwert der sogenannten Remaining Performance Obligations von 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese bindenden Mehrjahresverträge gehen unter anderem auf Großkunden wie OpenAI, Meta und xAI zurück und sollen den enormen Kapitalbedarf künftig rechtfertigen.

Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Oracle zudem seine Umsatzprognose von 90 Milliarden Dollar und hob die Non-GAAP-Gewinnprognose je Aktie auf 8,05 Dollar an, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Um die milliardenschweren Investitionen zu stemmen, will Oracle im laufenden Geschäftsjahr rund 40 Milliarden Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital aufnehmen, darunter die bereits angekündigte Aktienemission über 20 Milliarden Dollar am Markt.

Am 6. August senkte UBS Group ihr Kursziel für Oracle von 285 auf 245 Dollar, beließ die Einstufung jedoch bei „Kaufen“ – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Analystengemeinde trotz der Belastungen an der langfristigen Wachstumsstory festhält.

Technologisch bleibt Oracle auf Wachstumskurs: Seit dem 11. August unterstützt die Cloud-Plattform OCI Enterprise AI als eine der ersten Anbieterinnen das neue KI-Modell Nemotron 3.5 Lightning von Nvidia. Ob solche Produktfortschritte reichen, um das Vertrauen der Anleger angesichts der Finanzierungslast zurückzugewinnen, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Monate.

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