Ein starker US-Arbeitsmarkt trifft auf eine hoch verschuldete KI-Infrastrukturstory — das ist die Gemengelage, die Oracle-Aktionäre gerade beschäftigt. In sieben Handelstagen verlor die Aktie 13 Prozent und schloss am Freitag bei 185,46 Euro. Am Mittwoch folgen die Quartalszahlen.
Jobdaten kippen die Stimmung
Der Auslöser war der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Mit 172.000 neu geschaffenen Stellen übertraf er die Markterwartungen von rund 85.000 deutlich. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,3 Prozent. Finanzterminmärkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent für eine Zinserhöhung bis Jahresende ein.
Das belastet vor allem wachstumsstarke Technologiewerte. Der Nasdaq verzeichnete am 5. Juni einen seiner schärfsten Tagesrückgänge seit 2025 — ein Minus von 4,18 Prozent. Kein Wunder, dass Oracle als KI-Infrastrukturwert überproportional getroffen wurde.
Schulden wachsen schneller als die Cloud
Oracle setzt stark auf „GPU-as-a-Service“ als Wachstumstreiber. GPU-Workloads stehen für 23 Prozent des jüngsten Infrastrukturwachstums. Partner wie OpenAI und Meta treiben die Nachfrage. Das kostet allerdings viel Geld.
Die langfristigen Schulden stiegen auf rund 124 Milliarden Dollar — von 85 Milliarden im Vorjahr. Bis 2026 plant Oracle Investitionen zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar in seine Cloud-Infrastruktur OCI. Diese Hebelwirkung ist der eigentliche Risikofaktor, den Analysten im Blick behalten.
Analysten bleiben optimistisch — vorerst
Trotz des Kursrückgangs halten große Häuser an positiven Einschätzungen fest. Die Deutsche Bank bekräftigte ihr Kaufurteil. Cantor Fitzgerald nennt ein Kursziel von 284 Dollar. BTIG geht mit 400 Dollar noch deutlich weiter und verweist auf den Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar.
Technisch liegt die Aktie mit rund 20 Prozent Abstand über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 154,23 Euro. Der RSI von 56,6 signalisiert keinen überverkauften Zustand. Eine technische Doppelboden-Formation bei 137 Euro mit Nackenlinie bei 171 Euro gilt als wichtige Unterstützungszone.
Mittwoch wird zur Bewährungsprobe
Am Mittwoch, 10. Juni 2026, legt Oracle nach Börsenschluss seine Zahlen für das Fiskaljahr-Quartal Q4 vor. Analysten erwarten einen Quartalsumsatz von rund 19,1 Milliarden Dollar — ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Entscheidend wird sein, ob die KI-Nachfrage die steigenden Kapitalkosten kompensiert. Die Aktie notiert auf Jahressicht zwar noch 11 Prozent im Plus, liegt aber 34 Prozent unter ihrem September-Hoch von 280,70 Euro. Der Spielraum für eine Enttäuschung ist gering.
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