Oracle Aktie: 11,2 Prozent Bewegung erwartet

Symbolbild, KI-generiert

Oracle verbindet starkes Cloud-Wachstum mit negativem Cashflow und hoher Kapitalaufnahme. Die Quartalszahlen könnten die Aktie deutlich bewegen.

Auf einen Blick:
  • Optionsmarkt erwartet elf Prozent Bewegung
  • Auftragsbestand erreicht 638 Milliarden Dollar
  • Cloud-Infrastruktur wächst um 93 Prozent
  • Hoher Kapitalbedarf belastet Oracles Bilanz

Am Donnerstag legt Oracle die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, und selten war die Nervosität vor einem Termin so greifbar. Die Optionsmärkte preisen eine Kursbewegung von 11,2 Prozent ein, nach oben wie nach unten.

Für mich ist das der eigentliche Befund dieser Woche: Der Markt weiß nicht, ob er Oracle als KI-Infrastruktur-Gewinner oder als überschuldeten Bauherrn eines Cloud-Versprechens behandeln soll, das noch nicht abgerechnet ist.

Die Ausgangslage ist ambivalent genug, um beide Lesarten zu rechtfertigen. Der Auftragsbestand (RPO) liegt bei 638 Milliarden Dollar, ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das 9,5-Fache des Umsatzes im Geschäftsjahr 2026. Das ist die Zahl, die Bullen anführen, wenn sie von einem strukturellen Wendepunkt sprechen.

Gleichzeitig hat Oracle im vergangenen Geschäftsjahr einen freien Cashflow von minus 23,7 Milliarden Dollar ausgewiesen, bei Investitionen von 55,7 Milliarden Dollar.

Für das laufende Jahr werden rund 70 Milliarden Dollar Capex erwartet, finanziert über eine geplante Kapitalaufnahme von bis zu 40 Milliarden Dollar, davon 20 Milliarden über ein Aktienprogramm. S&P hat die Kreditwürdigkeit bereits auf BBB- gesenkt. Wer hier von einer entspannten Bilanzsituation spricht, blendet die zweite Hälfte der Wahrheit aus.

Die Analysten sind sich uneinig – und das ist selbst eine Aussage

Bezeichnend ist, wie weit die Kursziele der großen Häuser auseinanderliegen. Morgan Stanley hat sein Ziel zwar von 207 auf 210 Dollar angehoben, bleibt aber bei einer neutralen Einstufung und begründet dies mit der Bewertung von rund dem 14-Fachen des für 2028 erwarteten Gewinns je Aktie. Bank of America dagegen sieht bei einem Kursziel von 240 Dollar klares Kaufpotenzial.

Der Konsens liegt bei etwa 254,68 Dollar, was auf dem damaligen Kursniveau eine Aufwärtschance von über 60 Prozent implizierte. Diese Spanne – von vorsichtig positiv bis euphorisch – zeigt für mich, dass selbst professionelle Beobachter das Chance-Risiko-Verhältnis von Oracles Wette auf Cloud-Infrastruktur und den 300-Milliarden-Dollar-Deal mit OpenAI nicht sauber greifen können.

Das operative Bild spricht zunächst für die Optimisten. Das Cloud-Infrastrukturgeschäft ist im vergangenen Quartal um 93 Prozent gewachsen, für das kommende Quartal wird ein Wachstum von 58 bis 64 Prozent bei der Cloud-Sparte insgesamt erwartet, bei einer Gesamtumsatzsteigerung von 27 bis 29 Prozent.

Der Konsens für das erste Quartal liegt bei 19,13 Milliarden Dollar Umsatz und 1,74 Dollar Gewinn je Aktie. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr – aber es ist eben Konsens, keine gemeldete Zahl, und die Latte liegt hoch genug, um auch bei solidem Wachstum zu enttäuschen.

Was der Kurs schon vorwegnimmt

Aktuell notiert Oracle bei 137,68 Euro, nach einem Plus von 7,3 Prozent innerhalb einer Woche – ein Vorgeschmack auf die Erwartungshaltung vor den Zahlen. Zugleich liegt die Aktie noch immer 17 Prozent im Minus seit Jahresbeginn und rund 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom vergangenen September.

Diese Diskrepanz ist für mich der Kern der Geschichte: Der Markt hat einen Teil der KI-Euphorie längst wieder ausgepreist, traut Oracle aber offenbar zu, einen Teil davon zurückzuerobern, sollte das Cloud-Wachstum die hohen Erwartungen bestätigen.

Die Rahmenbedingungen machen die Sache nicht einfacher. Die Woche steht ohnehin unter dem Eindruck überraschend starker US-Arbeitsmarktdaten, steigender Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten und einer bevorstehenden Fed-Entscheidung. Ein volatiles Makroumfeld trifft auf ein Unternehmen, das selbst schon genug eigene Unsicherheit mitbringt.

Unterm Strich sehe ich Oracle an einem Scheidepunkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Wachstumsstory rund um Cloud-Infrastruktur und Großkunden wie OpenAI ist real und beeindruckend in ihren Kennzahlen.

Doch die Finanzierung dieses Wachstums – negativer freier Cashflow, milliardenschwere neue Schulden, eine Ratingherabstufung – macht die Wette teurer, als es der Auftragsbestand allein suggeriert.

Wer am Donnerstag auf Oracle schaut, sollte weniger auf die Schlagzeile „638 Milliarden Backlog“ starren als auf die Frage, ob das Management einen glaubwürdigen Pfad zurück zu positivem Cashflow zeigt. Genau das dürfte entscheiden, ob die 11 Prozent erwartete Kursbewegung nach oben oder nach unten ausschlägt.

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