Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
in der Nacht zum Samstag haben die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angegriffen. Präsident Trump nannte die Operation „Epic Fury“. Das Ziel: die iranische Militärmaschinerie zerstören, die Regierung stürzen. Was Diplomaten noch am Donnerstag in Genf zu verhindern suchten, ist nun Realität. Die Welt steht vor einer neuen geopolitischen Zeitrechnung und die Kapitalmärkte werden das in den kommenden Tagen schmerzhaft zu spüren bekommen.
Für Anleger gilt jetzt: kühlen Kopf bewahren, die richtigen Schlüsse ziehen und gezielt handeln. Denn in jedem Schock stecken auch Chancen.
Die Straße von Hormuz: Das Nadelöhr der Weltwirtschaft
Wer die Konsequenzen des Iran-Angriffs verstehen will, muss eine Geografie-Lektion machen. Die Straße von Hormuz ist ein schmaler Meeresarm zwischen dem Iran und Oman. Durch diesen Engpass fließen täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl — das entspricht etwa 26 Prozent des globalen Ölhandels. Hinzu kommen 23 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels (LNG). Es gibt keine nennenswerte Alternativroute.
Der Iran hat die Straße offenbar bereits gesperrt. Die iranischen Revolutionsgarden sendeten Warnungen an Schiffe: Keine Passage erlaubt. Das ist ein direkter Angriff auf die globalen Energieversorgungsketten. Für jeden Tag, an dem der Transit unterbrochen bleibt, fehlen der Weltwirtschaft schätzungsweise 20 Millionen Barrel Rohöl und 85 Millionen Tonnen LNG pro Jahr.
Der Iran selbst pumpt täglich 3,3 bis 3,5 Millionen Barrel, rund drei Prozent des globalen Angebots. Das Hauptexportterminal Kharg Island, über das 90 Prozent der iranischen Exporte laufen, soll bereits von Explosionen erschüttert worden sein. Fällt diese Infrastruktur aus, fehlt ein weiterer bedeutender Baustein der globalen Versorgung.
Öl auf dem Weg zu 100 Dollar
Am Freitag schloss Brent-Rohöl bei 72,87 Dollar je Barrel. Das war vor dem Angriff. Wenn die Märkte am Sonntagabend öffnen, dürfte der Preis deutlich höher notieren. Barclays sieht Brent auf dem Weg in Richtung 100 Dollar, sollte die Lage eskalieren. Goldman Sachs schätzt, dass der Verlust von einer Million Barrel iranischer Exporte pro Tag über ein Jahr den Ölpreis um rund acht Dollar erhöht.
Im schlimmsten Szenario, der vollständigen Blockade der Straße von Hormuz, rechnen Marktbeobachter mit Preisen deutlich über 100 Dollar. Das hätte erhebliche Folgen für die Weltwirtschaft. Ein Anstieg der Energiekosten um 50 Prozent würde die globale Nachfrage dämpfen. Eine Verdoppelung der Ölpreise birgt das Risiko einer Rezession.
Die OPEC+ hält zwar Reservekapazitäten vor. Saudi-Aramco könnte kurzfristig zwei bis drei Millionen Barrel täglich zusätzlich in den Markt bringen. Die OPEC-Mitglieder trafen sich schon zu einer außerordentlichen Sitzung. Ob Riad tatsächlich einspringt, hängt davon ab, wie sich die Situation am Golf entwickelt. Denn Iran könnte Vergeltungsmaßnahmen auch gegen saudische und emiratische Ölanlagen richten — und dann eskaliert die Krise noch weiter.
Rüstungsaktien: Die Gewinner des Konflikts
Geopolitische Eskalationen haben historisch immer eines gemacht: die Rüstungsausgaben weltweit nach oben getrieben. Das ist jetzt nicht anders. Seit dem ersten US-Angriff auf iranische Nuklearanlagen im Juni 2025 hat der iShares U.S. Aerospace & Defense ETF bereits 35 Prozent zugelegt. Lockheed Martin gewann seither 40 Prozent, Northrop Grumman sogar 46 Prozent.
Mit „Operation Epic Fury“ dürfte der nächste Schub folgen. Lockheed ist der Hersteller des F-35, des wichtigsten Kampfjets der westlichen Allianz. Northrop produziert Stealth-Bomber, Drohnen, Raketen und Radartechnologien. Beide Konzerne werden direkt von einem anhaltenden Konflikt profitieren.
Hinzu kommen Munitionshersteller und Systemlieferanten wie RTX, General Dynamics, AeroVironment und Kratos Defense. Auch europäische Rüstungskonzerne profitieren: Rheinmetall, Thales, Leonardo und BAE Systems haben in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als 160 Prozent zugelegt. Regierungen weltweit überdenken ihre Verteidigungsbudgets, der strukturelle Rückenwind für den Sektor bleibt intakt.
Tankerschiffe: Paradoxer Gewinner einer Blockade
Auf den ersten Blick klingt es widersinnig: Eine Blockade des Hormuz schadet der Ölversorgung und nützt Tankerunternehmen. Der Mechanismus dahinter ist jedoch logisch. Wenn Schiffe Umwege fahren müssen, wenn Tanker länger unterwegs sind, wenn die verfügbare Kapazität sinkt, dann steigen die Frachtpreise. Das treibt die Einnahmen der Reedereien.
Tankeraktien haben das bereits eingepreist. Frontline legte im laufenden Jahr bereits 74 Prozent zu, DHT Holdings 60 Prozent, Nordic American Tanker sogar 67 Prozent. Der S&P 500 gewann im selben Zeitraum gerade einmal 0,5 Prozent. Frontline buchte im ersten Quartal 92 Prozent seiner Kapazitäten zu einem Tagessatz von durchschnittlich 107.100 Dollar, der höchste Wert seit dem Boom-Jahr 2008.
Historisch betrachtet stiegen die Raten für Supertanker zu Beginn des Golfkriegs 1991 um mehr als 40 Prozent. Beim zweiten Irak-Krieg kletterten sie um bis zu 304 Prozent.
Aktienmarkt: Volatilität ist das neue Normal
Der breite Aktienmarkt wird die Wucht des Schocks erst zu Beginn der neuen Handelswoche spüren. Asiatische Märkte öffnen am Sonntagabend, US-Futures folgen kurz danach. Dann wird klarer, wie tief die Unsicherheit sitzt.
Das Eskalationsrisiko ist erheblich. Iran hat bereits Raketen auf US-Stützpunkte und israelische Ziele abgefeuert. Greift der Iran Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Kuwait mit mehr als ein paar Drohen wie am Samstag an, würden weitere Millionen Barrel täglich wegfallen. Das wäre eine ausgewachsene Energiekrise.
Sichere Häfen werden gesucht: US-Staatsanleihen, Gold, der Schweizer Franken. Zyklische Werte, Industrie, Konsum, Technologie, dürften unter Druck geraten. Energie- und Rüstungsaktien sind die naheliegenden Profiteure. Wer diese Positionen noch nicht im Portfolio hat, sollte die erste Marktreaktion beobachten, bevor er handelt. Nicht jeder Kursrutsch ist ein Kaufsignal, aber mancher schon.
Was jetzt zählt: Szenarien statt Schlagzeilen
Anleger, die jetzt auf Basis von Schlagzeilen agieren, begehen Fehler. Was zählt, sind Szenarien. Szenario eins: Der Konflikt bleibt begrenzt, Trump erklärt schnell einen Sieg, die Märkte erholen sich wie nach dem kurzen Zwölf-Tage-Krieg im Jahr 2025. Szenario zwei: Iran trifft Golfstaaten-Infrastruktur, die Energieversorgung bricht teilweise zusammen, die Weltwirtschaft rutscht in eine Rezession.
Zwischen diesen Polen bewegt sich die Realität. Entscheidend ist, wie schnell diplomatische Auswege gefunden werden. Trumps geplanter Gipfel mit Chinas Präsident Xi Jinping könnte ein Anreiz sein, den Konflikt zu begrenzen. China ist der größte Abnehmer iranischen Öls und hat kein Interesse an einem langen Krieg.
Die Wahrheit ist: Die nächsten 48 bis 72 Stunden entscheiden, wie ernst dieser Schock wird. Bis dahin gilt: Rüstung, Energie und Tankerschiffe im Blick behalten und den Kopf nicht verlieren.
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