Alfred Stern schlägt Alarm. Auf der Hauptversammlung in Wien warnte der scheidende OMV-Chef vor einer schwierigen Speicherbefüllung im Sommer — und machte damit deutlich, dass Europas Gasversorgung längst nicht gesichert ist.
Gasspeicher unter Vorjahresniveau
Österreichs Speicher waren zum Zeitpunkt der Hauptversammlung zu rund 45 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei über 53 Prozent. Stern sieht die Ursache in einer weltweit knappen LNG-Verfügbarkeit. Der Iran-Konflikt habe die Lage zusätzlich verschärft.
Staatliche Eingriffe lehnt er klar ab. Sondersteuern oder Preisdeckel würden die Knappheit verschärfen, statt Anreize für mehr Produktion zu schaffen.
OMV selbst steht dabei strukturell gut da. Seit Ende 2024 bezieht das Unternehmen kein russisches Gas mehr — erstmals seit mehr als sechs Jahrzehnten. Neue Projekte sichern die Diversifizierung ab: die heimische Gasförderung in Wittau und das rumänische Großprojekt Neptun Deep.
Führungswechsel im Herbst
Stern gibt sein Amt zum 31. August 2026 ab. Ab September übernimmt Emma Delaney, früher bei BP, die Konzernführung. Das ist ein klarer Schnitt.
Auch der Aufsichtsrat wurde neu besetzt. Neben den Wiederwahlen von Edith Hlawati und Patrick Lammers zogen Andreas Klauser — CEO des Kranherstellers Palfinger — und Ahmed El-Hoshy in das Kontrollgremium ein.
Kurs mit starkem Jahresplus
An der Börse hält sich die Omv-Aktie trotz der angespannten Gassituation gut. Mit einem Schlusskurs von 61,35 Euro am Freitag liegt das Papier knapp vier Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 27 Prozent — der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt.
Der nächste Stresstest kommt früh genug: Wie sich die Speicherbefüllung bis Herbst entwickelt, wird zeigen, ob Sterns Warnung Gewicht hatte — und ob Delaney gleich zu Amtsantritt unter Druck gerät.
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