Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB SE hat eine ereignisreiche Woche hinter sich. Hauptversammlung, ein neuer Aufsichtsrat, ein milliardenschwerer Finanzierungsrahmen — und ein Großaktionär, der seinen Ausstieg wegen SpaceX verschieben musste.
Theodor Weimer übernimmt Aufsichtsratsmandat
Die Hauptversammlung vom 8. Juni hat Dr. Theodor Weimer in den Aufsichtsrat gewählt. Der frühere Chef der Deutschen Börse AG tritt die Nachfolge von Claire Wellby an. Seine Amtszeit läuft drei Jahre. Marktbeobachter sehen darin ein Signal für eine stärkere internationale Ausrichtung des Konzerns.
Die Dividende bleibt bei 0,60 Euro je Aktie — unverändert gegenüber dem Vorjahr. Alle Tagesordnungspunkte passierten mit großen Mehrheiten.
1,2 Milliarden Euro Spielraum bis 2031
Der Vorstand darf bis 2031 Wandel- und Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro ausgeben. Das bedingte Kapital erlaubt eine Ausweitung des Grundkapitals um bis zu 20 Prozent. Für Altaktionäre bedeutet das potenzielle Verwässerung.
Der Hintergrund ist konkret: Der Auftragsbestand liegt bei rund 3,35 Milliarden Euro — Rekordniveau. Die Serienfertigung erfordert erhebliche Vorfinanzierungen. Der Rahmen schafft dafür die nötige Flexibilität.
SpaceX zieht das institutionelle Kapital ab
KKR hält derzeit rund 29 Prozent der OHB-Anteile und will diese Quote bis zum 30. Juni auf einen einstelligen Prozentsatz senken. Die ursprünglich für Mitte Juni geplante Platzierung verschiebt sich um rund zwei Wochen. Der Grund: Der zeitgleiche SpaceX-Börsengang bindet das Interesse institutioneller Investoren vollständig.
Sobald KKR seinen Exit vollzogen hat, steigt der Streubesitz von aktuell rund 6 Prozent auf etwa 26 Prozent. Das öffnet die Aktie für Indexaufnahmen und größere Fonds — ein struktureller Wandel in der Aktionärsbasis.
Parallel dazu gründeten OHB und Rheinmetall am 11. Juni die „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“. Das Joint Venture soll die Bundeswehr bei der Vernetzung raumgestützter Systeme unterstützen.
Kurs stabil, Volatilität hoch
Die Aktie schloss am Freitag bei 409,00 Euro, ein Tagesplus von 0,49 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 237 Prozent zu Buche — bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 150 Prozent. Der Titel notiert damit weit über seinem 200-Tage-Durchschnitt, aber rund 40 Prozent unter dem Allzeithoch vom Mai.
Der 30. Juni wird zum nächsten Fixpunkt. Dann soll KKR seine Beteiligung platzieren — und damit die Liquidität der OHB-Aktie dauerhaft verändern.
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