Jefferies hat OHB SE am Dienstag auf „Buy“ hochgestuft. Die Kaufempfehlung fällt in eine Woche mit gleich zwei einschneidenden Ereignissen für die Bremer Raumfahrtgruppe: dem Aufstieg in den SDAX und einer bestätigten Jahresprognose, die operative Rückschläge im zweiten Quartal überdecken soll.
An der Börse honorierten Anleger das Upgrade zunächst nur verhalten. Die Aktie notiert bei 235,00 Euro, ein Plus von 0,64 Prozent zum Vortag. Von ihrem im Mai markierten Rekordhoch trennen das Papier inzwischen 65,84 Prozent – die Korrektur der vergangenen Monate fällt damit deutlich aus, auch wenn der Kurs binnen zwölf Monaten immer noch ein Vielfaches seines Ausgangswerts erreicht hat.
SDAX-Wechsel ab Donnerstag
Der Indexanbieter Stoxx gab am Montagabend bekannt, dass OHB ab Donnerstag in den SDAX aufsteigt. Klöckner & Co muss den Nebenwerteindex nach der Übernahme durch Worthington Steel verlassen und wird vom Kurszettel genommen. OHB rückt an die Stelle des Stahlhändlers.
Möglich macht den Sprung eine im Sommer platzierte Kapitalerhöhung, die den frei handelbaren Aktienanteil des Unternehmens spürbar vergrößert hat – eine zentrale Voraussetzung für die Indexaufnahme. Mit dem Wechsel rücken zahlreiche SDAX-Indexfonds gezwungenermaßen als neue Käufer der Aktie ins Bild.
Ordereingang schwächelt trotz Rekordprognose
Die Aufwertung durch Jefferies fällt allerdings in eine Phase operativer Fragezeichen. Im zweiten Quartal blieb der Ordereingang von OHB hinter den Erwartungen zurück, der Auftragsbestand ging im Vergleich zum Vorquartal leicht zurück.
Im Geschäftsbereich Access-to-Space belasteten zusätzliche Anlaufkosten die Marge. Auch der geplante Testflug der Trägerrakete von Rocket Factory Augsburg verzögert sich erneut – ein Tankproblem verhinderte den Start.
Trotz dieser Bremsspuren hält das Management an seiner Jahresprognose fest. Die Gesamtleistung soll 2026 auf rund 1,4 Milliarden Euro steigen, bei einer Marge von 10,5 bis 11 Prozent. Im ersten Halbjahr fielen zudem Transaktionskosten von 21 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung an – eine Belastung, die das Unternehmen als vorübergehend einstuft.
Blick auf ESA-Entscheidungen
Für die kommenden Monate richtet sich der Blick auf mehrere Ausschreibungen der europäischen Weltraumorganisation ESA, die sich laut Unternehmensangaben in der Endverhandlung befinden. Dazu zählen die Programme Sentinel, Clear Space One und Upstar.
Ein Zuschlag würde den zuletzt schwächelnden Ordereingang stützen und den rückläufigen Auftragsbestand wieder auffüllen – für Anleger dürfte das der entscheidende Impuls für die weitere Kursentwicklung sein.
Die Gemengelage aus Indexaufstieg, Analystenlob und operativen Verzögerungen zeigt, wie zweigeteilt das Bild bei OHB derzeit ausfällt. Der SDAX-Wechsel erweitert kurzfristig den Kreis potenzieller Käufer, während das Unternehmen mittelfristig beweisen muss, dass sich die milliardenschwere Wachstumsstrategie im Raumfahrtgeschäft auch in stabilerem Ordereingang niederschlägt.
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