OHB SE Aktie: Iris²-Auftrag für 18 Satelliten

OHB sichert sich Satellitenauftrag über knapp eine Milliarde Euro. Starke Halbjahreszahlen und Rekord-Auftragsbestand untermauern die Wachstumsstory.

Auf einen Blick:
  • Milliardenschwerer Satellitenauftrag für OHB
  • Halbjahreszahlen zeigen deutliches Wachstum
  • Auftragsbestand erreicht neuen Rekordwert
  • Analysten uneins über Kursziele

OHB hat heute die Bestätigung bekommen, auf die viele Anleger gewartet haben. Wie das Handelsblatt am Montag berichtete, hat das Bremer Raumfahrtunternehmen den Zuschlag für 18 Satelliten im Rahmen des europäischen Satellitennetzwerks Iris² erhalten – ein Auftragsvolumen von knapp einer Milliarde Euro, erste Satelliten sollen 2029 starten. Für mich ist das der Beleg, dass die Wachstumsstory von OHB nicht nur auf Ankündigungen beruht, sondern jetzt in harte Auftragsbücher übersetzt wird.

Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem kräftigen Sprung nach oben. Dass sie seit dem SDAX-Wechsel vor gut einer Woche insgesamt 7,7 Prozent verloren hatte, wirkt angesichts dieses Neuigkeitswerts fast wie eine Randnotiz. Genau darin liegt für mich die eigentliche Erkenntnis dieses Tages: Die kurzfristige Indexmechanik hat die Aktie belastet, während das operative Geschäft in die andere Richtung läuft.

Zahlen, die die These stützen

Wer die Iris²-Meldung isoliert betrachtet, verpasst den Kontext. Erst Anfang des Monats hatte OHB Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt, die für sich sprechen: Die Gesamtleistung stieg um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro zu, das bereinigte EBIT verbesserte sich sogar um 46 Prozent auf 38,9 Millionen Euro.

Der Auftragsbestand kletterte auf 3.304 Millionen Euro, davon entfällt der Löwenanteil mit 2.566 Millionen Euro auf die Sparte Space Systems – genau jenen Bereich, in dem auch der neue Iris²-Auftrag verbucht wird.

Das Management hatte beim Earnings Call bereits angedeutet, dass Iris² neben der Sentinel-Konstellation, ClearSpace-1 und weiteren Projekten zu den Kurstreibern für die zweite Jahreshälfte zählen sollte. Diese Ankündigung ist jetzt eingetreten.

Zugleich hat das Unternehmen seine Guidance für 2026 bestätigt: rund 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung, eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent. Aus meiner Sicht spricht die Kombination aus bestätigter Guidance und neuem Milliardenauftrag dafür, dass die Wachstumsdynamik nicht nur ein Einmaleffekt aus der Auftragsvergabe ist, sondern von mehreren Standbeinen getragen wird.

Die Kehrseite: Bewertung und Volatilität

Trotzdem wäre es naiv, die Risiken zu ignorieren. Die Bilanz von OHB hat sich durch die im Juli abgeschlossene Kapitalerhöhung mit einer Bruttoemission von rund 510 Millionen Euro spürbar verändert – die Eigenkapitalquote stieg von 27,5 Prozent Ende 2025 auf 43,3 Prozent zum Halbjahr. Das schafft finanziellen Spielraum, verwässert aber auch bestehende Anteile, auch wenn die Fuchs-Familie mit mehr als 60 Prozent und KKR mit rund 20 Prozent die Mehrheitsverhältnisse klar dominieren.

Auf der Analystenseite zeichnet sich seit Anfang August ein differenziertes Bild ab: Jefferies startete die Coverage mit einem Kaufvotum und einem Kursziel von 280 Euro, Berenberg sogar mit 358 Euro, während Goldman Sachs mit einer neutralen Einstufung und einem Kursziel von 250 Euro deutlich zurückhaltender bleibt. Diese Spannbreite zeigt für mich, dass der Markt noch keine einheitliche Meinung darüber hat, wie viel von der Wachstumsstory bereits im Kurs steckt.

Hinzu kommt operative Reibung: Der Erstflug der Rocket Factory Augsburg wurde erneut verschoben, dieses Mal wegen Tankproblemen. Große deutsche Verteidigungsaufträge, ein weiterer möglicher Wachstumstreiber, erwartet das Management laut eigener Aussage erst ab 2027. Wer auf schnelle zusätzliche Kurstreiber hofft, muss sich also gedulden.

Mein Fazit

Der Iris²-Auftrag ist kein singuläres Ereignis, sondern reiht sich in eine Serie belastbarer operativer Fortschritte ein – von den starken Halbjahreszahlen über den Rekord-Auftragsbestand bis zur gestärkten Bilanz. Die Volatilität der vergangenen Wochen, inklusive des Rückgangs seit der SDAX-Aufnahme, relativiert sich vor diesem Hintergrund.

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für eine intakte Wachstumsstory sprechen – auch wenn die Bewertungsspanne der Analysten zeigt, dass die Risiken nicht wegdiskutiert werden sollten. Der nächste Test folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 6. November angekündigt sind.

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