OHB geht in eine ungewöhnlich dichte Woche. Erst stimmt die Hauptversammlung über einen milliardenschweren Finanzierungsrahmen ab, kurz danach öffnet die ILA Berlin als Bühne für neue Raumfahrtaufträge. Der Kurs kommt derweil von einer scharfen Korrektur — und genau diese Mischung macht die nächsten Tage heikel.
Am Freitag schloss die Aktie bei 372,50 Euro, nach einem Tagesminus von 9,15 Prozent und einem Wochenverlust von 14,47 Prozent. Seit Jahresanfang liegt sie dennoch 206,58 Prozent im Plus; vom 52-Wochen-Hoch bei 688,00 Euro ist der Kurs aber fast 46 Prozent entfernt.
Enge Marktstruktur verstärkt die Ausschläge
Die Kursbewegung wirkt nur auf den ersten Blick widersprüchlich. OHB hat zuvor eine historische Rally hingelegt, die Bewertung war stark gelaufen. Nach so einem Anstieg reichen negative Impulse oder Gewinnmitnahmen schnell aus, um Druck auszulösen.
Hinzu kommt der geringe Streubesitz. Von 19,2 Millionen Aktien sind nur 1,09 Millionen frei handelbar, also rund 5,7 Prozent. Bei einem derart knappen Angebot können auch kleinere Orders größere Kursreaktionen auslösen.
Die technische Lage bleibt deshalb schwer zu lesen. Der Kurs liegt noch über dem 50-Tage-Durchschnitt von 354,71 Euro, der RSI von 45,0 signalisiert aber keine überhitzte Situation mehr. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 142,07 Prozent zeigt, wie extrem die Schwankungsbreite geworden ist.
Hauptversammlung mit Verwässerungsthema
Der erste wichtige Termin steht direkt bevor. OHB hält am 8. Juni 2026 seine ordentliche Hauptversammlung virtuell ab. Kapitalmarktrelevant ist vor allem der Antrag, Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte mit einem Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu ermöglichen.
Dazu soll ein Bedingtes Kapital geschaffen werden, das 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals entspricht. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnt deshalb vor einem erheblichen Verwässerungsrisiko. Das ist der zentrale Konflikt: OHB braucht finanzielle Flexibilität für große Raumfahrtprogramme, bestehende Aktionäre schauen auf mögliche Anteilsverwässerung.
Vorstand und Aufsichtsrat schlagen außerdem eine Dividende von 0,60 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie vor. Die Ausschüttung ist für die Kursstory aber weniger prägend als der geplante Finanzierungsrahmen.
ILA als Bühne für Aufträge
Nur zwei Tage nach der Hauptversammlung beginnt die ILA Berlin. Die Messe läuft vom 10. bis 14. Juni 2026 und richtet den Blick stark auf Raumfahrt, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren.
Das ist mehr als Messesymbolik. Raumfahrtunternehmen nutzen solche Termine, um politische Sichtbarkeit, industrielle Partnerschaften und konkrete Aufträge zusammenzubringen. Für OHB kommt die Bühne zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt nach der Rally neue operative Belege verlangt.
Parallel läuft die Arbeit an der RAMSES-Sonde. Die Montage startete am 4. Juni 2026; das gemeinsame Projekt von ESA und JAXA zielt auf den Asteroiden Apophis. Dieser soll im April 2029 in rund 32.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeiziehen.
Das Core Module entsteht bei OHB Italia in Mailand, das Propulsion Module bei ArianeGroup in Lampoldshausen. Die Zusammenführung ist für Anfang 2027 beim ESA-Zentrum ESTEC geplant. Der ESA-Vertrag mit OHB Italia hat ein Volumen von 81,2 Millionen Euro; inklusive vorbereitender Arbeiten liegt der Gesamtwert bei rund 150 Millionen Euro.
RFA-Start könnte strategisch wichtig werden
Ein weiterer Termin liegt im Juli. Die Rocket Factory Augsburg hat ein Startfenster ab dem 1. Juli 2026 am SaxaVord Spaceport in Schottland beantragt. RFA betont, dass es sich nicht um ein festes Startdatum handelt, da Erstflüge technisch anfällig für Verzögerungen sind.
Die Hardware ist bereits vor Ort. Beide Raketenstufen befinden sich seit März am Startplatz. Ein erfolgreicher Erstflug würde OHB im Bereich „Access to Space“ stärker positionieren und die Abhängigkeit von Fremdraketen im Kleinsatellitengeschäft verringern.
Operativ stützt ein hoher Auftragsbestand die Wachstumsstory. Zum 31. März 2026 erreichte er 3,35 Milliarden Euro, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Segment Space Systems stellt mit 2,68 Milliarden Euro den größten Anteil.
OHB plant für 2026 eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro. Ein Jahr später sollen 1,7 Milliarden Euro erreicht werden, für 2028 peilt das Unternehmen mehr als 2,0 Milliarden Euro an. Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei 11 Prozent.
Der Kalender ist damit eng getaktet: Hauptversammlung am Montag, ILA-Start am Mittwoch und ab Juli das RFA-Startfenster. Nach dem Kursrutsch braucht OHB nun belastbare Signale, dass der hohe Auftragsbestand nicht nur Fantasie liefert, sondern in finanziell tragfähiges Wachstum übergeht.
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