OHB SE hat seine Bilanz binnen sechs Monaten grundlegend gestärkt. Die Eigenkapitalquote kletterte zum 30. Juni auf 43,3 Prozent, nach 27,5 Prozent Ende 2025. Das Eigenkapital erreichte 915,6 Mio. Euro.
Möglich wurde dieser Sprung durch die im Juli abgeschlossene Kapitalerhöhung, die dem Raumfahrtkonzern netto 484 Mio. Euro einbrachte – Mittel, die laut Unternehmensangaben in Kapazitätsausbau, mögliche Übernahmen, Trägerraketen und künftige Programme fließen sollen.
Wachstum bei Umsatz und Marge
Die operative Entwicklung untermauert das Bild eines Unternehmens im Expansionsmodus. Die Gesamtleistung im ersten Halbjahr stieg auf 627,9 Mio. Euro, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA legte mit 31 Prozent noch deutlich stärker zu und erreichte 60,4 Mio. Euro – ein Zeichen dafür, dass OHB nicht nur wächst, sondern auch profitabler wird.
Parallel dazu ist die Belegschaft binnen eines Jahres um die Hälfte auf rund 4.100 Mitarbeiter gewachsen, was den Kapazitätsausbau widerspiegelt, den die Kapitalerhöhung finanzieren soll.
Der Auftragsbestand lag zum Halbjahresende bei 3.304 Mio. Euro, verteilt auf die Sparten Space Systems mit 2.566 Mio. Euro, Access to Space mit 440 Mio. Euro und Digital mit 298 Mio. Euro.
Das Unternehmen bestätigte zugleich seine Jahresprognose: Für 2026 wird eine Gesamtleistung von rund 1,4 Mrd. Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent angestrebt.
Auftragslage wächst weiter
Auch operativ kamen zuletzt neue Impulse hinzu. Ende Juli sicherte sich die Tochter OHB Italia einen Auftrag der italienischen Raumfahrtagentur ASI für die zweite Generation der Erdbeobachtungsmission PRISMA, die bis Ende 2031 laufen soll. Solche Aufträge stützen die Sichtbarkeit auf die mittelfristige Auslastung und passen zum Bild eines Konzerns, der sein Portfolio über mehrere europäische Programme diversifiziert.
Kursreaktion und Bewertung
Die Börse honoriert diese Entwicklung deutlich. Die Aktie schloss am Montag bei 272,00 Euro, nach einem Tagesplus von 5,8 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, auf Zwölfmonatssicht beträgt der Zuwachs 291 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 688,00 Euro, erreicht im Mai, ist das Papier dennoch weit entfernt – der Kurs notiert rund 60 Prozent darunter. Diese Diskrepanz zeigt, wie stark die Aktie zwischenzeitlich korrigiert hat, bevor die jüngsten Fundamentaldaten und die Aufnahme in den SDAX am vergangenen Donnerstag neues Kaufinteresse weckten.
Anfang August nahmen mehrere Analysehäuser die Coverage neu auf, mit Kurszielen zwischen 250 und 360 Euro – eine Spanne, die die Unsicherheit über die weitere Bewertung des schnell gewachsenen Raumfahrtkonzerns widerspiegelt. Mit einer Marktkapitalisierung von 5,36 Mrd. Euro und einer annualisierten Volatilität von 54 Prozent bleibt OHB ein Papier für Anleger, die Wachstumschancen gegen erhebliche Kursschwankungen abwägen müssen.
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