OHB SE ist seit heute Mitglied im SDAX. Die außerplanmäßige Aufnahme mit Wirkung zum 13. August wurde am vergangenen Montag bekanntgegeben, das Bremer Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen ersetzt im Index die Klöckner & Co SE.
Für Vorstandschef Marco Fuchs ist der Schritt mehr als eine formale Umgruppierung: „Die Aufnahme in den SDAX ist ein wichtiger Meilenstein für OHB und unterstreicht die erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens sowie die zunehmende Bedeutung der europäischen Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie“, ließ er per Unternehmensmitteilung wissen. Eine mögliche Aufnahme in den TecDAX steht bereits im Raum – sie würde im Zuge der nächsten regulären Indexüberprüfung im September geprüft.
Der Kurs notiert aktuell bei 262,00 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 11 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich das Papier mehr als verdoppelt.
Zum bisherigen Jahreshoch von 688,00 Euro, das im Mai markiert wurde, bleibt allerdings ein deutlicher Abstand von 62 Prozent – die Aktie hat sich seither erheblich abgekühlt, notiert aber gut über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 250,40 Euro.
Halbjahreszahlen liefern das operative Fundament
Der Indexaufstieg fällt mit einer soliden Geschäftsentwicklung zusammen. Anfang August legte OHB die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vor: Der Gesamtumsatz stieg um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA kletterte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro.
Noch deutlicher fiel der Sprung beim bereinigten EBIT aus, das um 46 Prozent auf 38,9 Millionen Euro zulegte. Der Auftragsbestand wuchs von 3.067 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 3.304 Millionen Euro.
Auch die Bilanzstruktur hat sich merklich verändert: Die Eigenkapitalquote stieg von 27,5 Prozent zum Jahresende 2025 auf 43,3 Prozent zur Jahresmitte, das Eigenkapital selbst mehr als verdoppelte sich von 431,4 auf 915,6 Millionen Euro – ein Effekt der im laufenden Jahr durchgeführten Kapitalerhöhung, die im ersten Halbjahr allerdings auch mit 21 Millionen Euro an Transaktionskosten zu Buche schlug. Diese Transformationskosten sollen laut Unternehmensangaben im kommenden Jahr auslaufen.
Für das Gesamtjahr bestätigte das Management die Guidance: eine Gesamtleistung von rund 1.400 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent. Der Auftragsbestand liegt auf Rekordniveau, die Pipeline für neue Projekte summiert sich nach Unternehmensangaben auf rund 20 Milliarden Euro.
Das Management rechnet damit, dass der Auftragseingang im weiteren Jahresverlauf stärker anzieht – laufende Verhandlungen zu ESA-Verträgen wie Sentinel, Clear Space One und Upstart sollen dazu beitragen. Größere Bundeswehr-Aufträge sind in der Planung für 2026 dagegen noch nicht enthalten; ihre Materialisierung wird erst zwischen 2027 und 2029 erwartet.
Rückschlag bei Rocket Factory Augsburg
Nicht alle Nachrichten aus dem Konzern waren erfreulich: Der erste Testflug der Tochter Rocket Factory Augsburg verzögert sich erneut. Tank-Probleme machten es notwendig, die Rakete vom Startpad zu entfernen und zu inspizieren.
Auf der operativen Seite gab es zugleich neue Meilensteine: Die tschechische Tochter OHB Czechspace wird erstmals in der Unternehmensgeschichte Hauptauftragnehmer, für die Mission SOVA-S. OHB SPACE UK erreichte im Rahmen der EnVision-Mission einen weiteren Meilenstein.
Zudem sicherte sich die italienische Tochter OHB Italia einen Auftrag der Raumfahrtagentur ASI für die zweite Generation der PRISMA-Mission zur hyperspektralen Erdbeobachtung, die bis Ende 2031 laufen soll.
Mehrere Analysehäuser, darunter Deutsche Bank, Jefferies und Goldman Sachs, hatten Anfang August die Coverage für OHB aufgenommen und dabei Kursziele zwischen 250 und 360 Euro genannt – Goldman Sachs positionierte sich mit einem Neutral-Votum vergleichsweise zurückhaltend. Angesichts des seitherigen Kursverlaufs bleibt abzuwarten, wie sich diese erste Einschätzungswelle mit den nun vorliegenden Halbjahreszahlen und dem SDAX-Aufstieg verträgt.
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