Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB setzt bei seinen Tochtergesellschaften wichtige Meilensteine im All und am Boden. Gestern regelte das Unternehmen eine zentrale Personalie bei seiner Trägerraketen-Beteiligung Rocket Factory Augsburg.
Dort übernahm Alexander Dahm den Posten des CEO. Er folgt auf Indulis Kalnins und soll die weitere Entwicklung sowie den Weg zum Erstflug der Kleinrakete RFA ONE verantworten. Am gestrigen Montag schloss die OHB-Aktie mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent bei 172,60 Euro.
Die Entwicklung eigener Startkapazitäten gilt als wichtiger Baustein für die europäische Raumfahrtindustrie. Mit der RFA ONE arbeitet die Augsburger Tochter an einem System für leichtere Nutzlasten. Der Führungswechsel markiert den Übergang in die operative Vorbereitungsphase des anstehenden Jungfernflugs.
Erfolgreiche Satellitenstarts in der vergangenen Woche
Parallel zum Raketenprogramm meldeten weitere Einheiten des Konzerns operative Fortschritte im Orbit. Am Freitag erreichte der Kleinsatellit ATHENE-1 planmäßig eine niedrige Erdumlaufbahn.
Die luxemburgische Konzerntochter LuxSpace hatte die Technologieplattform gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München entwickelt. Gestartet an Bord einer SpaceX-Falcon-9-Rakete im Rahmen der Transporter-18-Mission, dient der Satellit der Durchführung von 22 wissenschaftlichen Experimenten.
Bereits am Donnerstag komplettierte OHB Italia eine Erdbeobachtungsflotte. Mit dem Start der dritten und letzten Tranche von acht Satelliten, ebenfalls über eine SpaceX-Mitflugmission von Vandenberg aus, ist die Eaglet-II-Konstellation vollständig.
Mit diesen Missionen belegt die Gruppe ihre Fähigkeit, Satellitenprogramme für institutionelle Auftraggeber termingerecht umzusetzen. Neben der klassischen Erdbeobachtung gewinnen dabei auch verteidigungsrelevante Anwendungen zunehmend an Gewicht.
Strategische Initiativen und Ausblick auf das Quartal
Zusätzliche Perspektiven eröffnen Vorstudien für künftige Raumfahrtinfrastruktur. Am 30. September wählte die Europäische Weltraumorganisation ESA Konsortien unter Führung von Airbus und OHB für parallele Machbarkeitsstudien aus. Gegenstand ist ein möglicher europäischer Außenposten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Medienberichten zufolge stärken solche Konzeptaufträge die Ausgangslage für spätere Großprojekte.
Rückenwind signalisierte am 29. September auch das Analysehaus Berenberg. Analyst Michael Filatov bestätigte die Kaufempfehlung für die OHB-Aktie mit einem Kursziel von 358 Euro. Als Begründung dienten Aussagen der Unternehmensführung, die ein weiteres starkes Auftragsjahr in Aussicht gestellt hatte.
Vor rund zwei Wochen unterzeichnete OHB Sweden zudem eine Absichtserklärung mit Saab über weltraumgestützte Verteidigungsfähigkeiten. Ebenfalls vor rund zwei Wochen kehrte das Unternehmen in den TecDAX zurück. Neue Detailzahlen zum laufenden Geschäftsjahr folgen in wenigen Wochen: Am 12. November legt OHB die Ergebnisse für die ersten neun Monate vor.
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