OHB SE hat am Donnerstag die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt – und liefert damit den womöglich stärksten Beleg für den Wachstumskurs, den der Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern seit Monaten propagiert. Die Gesamtleistung stieg auf 627,9 Millionen Euro, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro, das bereinigte EBIT sogar um 46 Prozent auf 38,9 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 3,304 Milliarden Euro einen neuen Höchststand, nach 3,067 Milliarden Euro im Vorjahreshalbjahr.
Auftragsbestand auf Rekordhoch, Bilanz deutlich gestärkt
Besonders auffällig ist die Zusammensetzung des Auftragspolsters: Auf das Segment Space Systems entfallen 2,566 Milliarden Euro, auf Access to Space 440 Millionen Euro und auf den Digitalbereich 298 Millionen Euro. Zugleich hat sich die Eigenkapitalquote von 27,5 Prozent zum Jahresende 2025 auf 43,3 Prozent zum Ende des ersten Halbjahres nahezu verdoppelt – eine direkte Folge der im Sommer abgeschlossenen Kapitalerhöhung. Das Gesamtvermögen wuchs um 35 Prozent. OHB bestätigte zugleich seine Jahresprognose: 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent sollen 2026 stehen.
Diese Bilanzstärkung geht auf eine Bezugsrechtskapitalerhöhung zurück, die der Vorstand im Juni beschlossen hatte. In zwei Tranchen wurden bis zu 1.702.480 neue Aktien zu einem Bezugspreis von 300 Euro ausgegeben, was ein Volumen von bis zu 510,7 Millionen Euro ermöglichte. Die Bruttoerlöse beider Tranchen summierten sich auf rund 484 Millionen Euro. Die Fuchs-Familie verzichtete auf ihre Bezugsrechte, bleibt mit 60,3 Prozent aber Mehrheitsaktionärin. Das KKR-Vehikel Orchid Lux HoldCo hält weiterhin 19,7 Prozent, während der Streubesitz im gleichen Umfang auf 19,7 Prozent zulegte. Nach Eintragung der zweiten Tranche ins Handelsregister ist das Grundkapital nun in 20.827.928 Aktien eingeteilt, seit Mitte Juli im regulären Handel.
Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial
Kurz vor und nach der Zahlenvorlage haben mehrere große Häuser die Coverage von OHB aufgenommen – mit deutlich unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Die Deutsche Bank startete am Freitag mit einem Kaufvotum und einem Kursziel von 275 Euro. Begründet wird das Rating damit, dass OHB als einer der wenigen reinen europäischen Raumfahrttitel an der Börse von steigenden institutionellen und Verteidigungsausgaben profitieren dürfte; der adressierbare Markt soll bis 2030 auf 46 Milliarden Euro wachsen.
Goldman Sachs kommt zu einer vorsichtigeren Einschätzung. Die Analysten starteten die Coverage am 5. August mit einem neutralen Rating und einem Kursziel von 250 Euro und argumentieren, ein Großteil des langfristigen Wachstums sei nach den jüngsten Kursgewinnen bereits eingepreist. Goldman erwartet, dass die Gesamtleistung von OHB zwischen 2025 und 2030 von 1,25 Milliarden auf mehr als 4 Milliarden Euro steigen könnte, verweist zugleich auf Risiken bei Programmausführung, Wettbewerb und Cash-Konvertierung. Jefferies, ebenfalls am 5. August mit einem Kaufvotum gestartet, sieht den Umsatz bis 2028 auf 2,35 Milliarden Euro wachsen, warnt aber vor Risiken bei Fixed-Price-Verträgen und einer möglichen hohen Ausfallwahrscheinlichkeit beim geplanten RFA-ONE-Erststart.
Auftragsflut und Index-Fantasie treffen auf schwächelnden Kurs
Operativ liefert OHB weiter Nachschub: Ende Juli erhielt die Tochter OHB Italia von der italienischen Raumfahrtagentur ASI den Auftrag für das Erdbeobachtungsprogramm PRISMA Second Generation, bei dem Thales Alenia Space Italia die Satellitenplattform und Leonardo das hyperspektrale Instrument liefern. Zuvor hatte OHB im Argonaut-Projekt eine Technologiepartnerschaft mit MDA Space für autonome Mondlandungen bekannt gegeben. Mit Rheinmetall wurde zudem das Gemeinschaftsunternehmen OHB Rheinmetall Space Networks für das militärische Satellitenkommunikationssystem SATCOMBw Stufe 4 gegründet, nachdem das Bundeskartellamt die Vorstufe bereits im April genehmigt hatte.
Trotz der operativen Dynamik zeigt sich der Aktienkurs zuletzt schwach: Am Freitag schloss das Papier bei 233,50 Euro, ein Rückgang von 1,48 Prozent auf Tagesbasis. Auf Monatssicht steht ein Minus von 16,61 Prozent zu Buche – die Kapitalerhöhung hatte den Kurs zuvor spürbar belastet. Medienberichten zufolge wird OHB im September mit einer Aufnahme in TecDAX und SDAX rechnen können, nachdem Kapitalerhöhung und Streubesitz-Expansion die nötigen Kriterien geschaffen haben. Ob das die zuletzt angeschlagene Kursentwicklung drehen kann, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
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