Drei Bankhäuser positionierten sich vor rund zwei Wochen erstmals zu OHB SE – mit deutlich unterschiedlichen Einschätzungen. Jefferies und Berenberg Bank starteten die Coverage mit Kaufempfehlungen, Kursziel 280 Euro beziehungsweise 358 Euro.
Goldman Sachs blieb dagegen zurückhaltend und vergab ein Neutral-Votum mit Kursziel 250 Euro. Diese Spannbreite spiegelt die Unsicherheit wider, mit der der Kapitalmarkt den Raumfahrtkonzern derzeit bewertet.
Die Aktie schloss am Freitag bei 223,00 Euro, ein Minus von 2,8 Prozent. Damit notiert das Papier rund 20 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 277,83 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Trend nach unten zeigt, obwohl das Unternehmen operativ zuletzt gute Nachrichten liefern konnte.
Positive Nachrichten verpuffen an der Börse
Die vergangenen Wochen brachten für OHB gleich mehrere Erfolgsmeldungen: die Aufnahme in den SDAX vor gut einer Woche, einen milliardenschweren IRIS²-Auftrag über 18 Satelliten sowie solide Halbjahreszahlen vor rund zwei Wochen.
Seit der Vorlage der Halbjahresbilanz hat die Aktie dennoch 5,9 Prozent verloren, seit dem SDAX-Wechsel sogar 13,9 Prozent. Der Markt honoriert operative Fortschritte derzeit kaum – ein Muster, das sich auch bei den frischen Analystenurteilen zeigt.
Genau hier setzt die gespaltene Einschätzung der Bankhäuser an. Während Jefferies und Berenberg das Wachstumspotenzial aus dem prall gefüllten Auftragsbuch betonen, verweist Goldman Sachs offenbar auf die bereits eingepreiste Euphorie und die hohe Bewertung nach dem kometenhaften Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate.
Fundamentaldaten stützen die Bullen-Seite
Die Zahlen, auf die sich die optimistischeren Häuser stützen dürften, sind tatsächlich robust. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte OHB die Gesamtleistung um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro zu.
Der Auftragsbestand kletterte auf 3.304 Millionen Euro gegenüber 3.067 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen bestätigte seine Jahresguidance mit einer angepeilten Gesamtleistung von 1.400 Millionen Euro und einer bereinigten EBITDA-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent.
Zusätzliches Auftragsvolumen kam von OHB Italia: Die italienische Raumfahrtagentur ASI beauftragte vor gut drei Wochen die zweite Generation des hyperspektralen Erdbeobachtungssystems PRISMA, eine Mission mit Laufzeit bis Ende 2031. Auch dieser Auftrag konnte den Kursrückgang nicht stoppen – seither verlor die Aktie weitere 3,0 Prozent.
Sektorweite Korrektur überlagert Einzelwert-Nachrichten
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt außerhalb des Unternehmens selbst. Seit dem Börsengang von SpaceX im Mai geriet der gesamte Raumfahrtsektor unter massiven Verkaufsdruck, Medienberichten zufolge büßte der Space-Sektor über 60 Prozent seines Mai-Hochs ein.
OHB fiel im selben Zeitraum von 556 Euro auf zeitweise rund 238 Euro Anfang August – eine Korrektur von 57 Prozent, verstärkt durch eine Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro im Juli, die die Aktienzahl und damit die Bewertung je Aktie belastete.
Für Anleger bedeutet die aktuelle Gemengelage: Operative Substanz und Auftragslage sprechen für das Unternehmen, doch die Sektorstimmung und die frische Skepsis von Goldman Sachs dämpfen die kurzfristige Kursfantasie. Die Bandbreite der Kursziele zwischen 250 und 358 Euro macht deutlich, wie unterschiedlich der faire Wert der Aktie derzeit taxiert wird.
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