Eine halbe Milliarde Euro frisches Kapital, ein Streubesitz der sich verdreifachen soll und ein Großaktionär auf dem Weg zum Ausstieg. OHB SE hat am Montag eine Kapitalmaßnahme angekündigt, die den Bremer Raumfahrtkonzern grundlegend neu aufstellt.
500 Millionen Euro für New Space
OHB will durch die Ausgabe neuer Aktien rund 500 Millionen Euro brutto einnehmen. Das Geld soll in drei Richtungen fließen: Industrialisierung der Produktion, Zukäufe und die Entwicklung neuer Trägerraketen.
Der entscheidende Mechanismus dabei: Beide Hauptaktionäre verzichten auf ihre Bezugsrechte. Familie Fuchs, die rund 65 Prozent der Anteile hält, und KKR mit knapp 29 Prozent zeichnen keine neuen Aktien. Rund 94 Prozent der neuen Papiere gehen so an externe Investoren. KKR nutzt die Transaktion zusätzlich für einen Teilausstieg und verkauft weniger als die Hälfte seiner bisherigen Beteiligung. Familie Fuchs behält die Stimmrechtsmehrheit.
Das eigentliche Ziel: Indexzugehörigkeit
Hinter der Kapitalerhöhung steckt eine klare Börsenlogik. Der Free Float liegt aktuell bei etwa 6 Prozent — ein Wert, der OHB für institutionelle Investoren praktisch unsichtbar macht. Durch die Kombination aus Neuemission und KKR-Verkauf könnte sich der Streubesitz mehr als verdreifachen.
Das Ziel: Aufnahme in SDAX und TecDAX kurzfristig, mittelfristig Aufstieg in den MDAX. Voraussetzung dafür sind ausreichende Marktkapitalisierung und Handelsliquidität. Der aktuelle Börsenwert liegt bei rund 7,9 Milliarden Euro.
Starke Ausgangsbasis, hohe Erwartungen
OHB tritt mit Rückenwind an. Der Auftragsbestand liegt bei rund 3,4 Milliarden Euro. Mittelfristig plant der Konzern, die Gesamtleistung auf über 4 Milliarden Euro zu steigern. Die angestrebte bereinigte EBITDA-Marge liegt bei rund 13 Prozent. Ausgebaut werden Standorte in Turin, Stockholm, Bremen und Augsburg.
Der Rückenwind kommt auch von außen. Der SpaceX-Börsengang hat die Bewertungen im Raumfahrtsektor neu kalibriert und das Investoreninteresse an Satellitenherstellern deutlich erhöht.
An der Börse reagierte die Aktie erwartbar: Kapitalerhöhungen drücken den Kurs durch Verwässerung. Am Montag schloss das Papier bei 399,50 Euro, rund 16 Prozent unter dem 30-Tage-Stand. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 228 Prozent — gemessen am 52-Wochen-Tief von 64,20 Euro sogar eine Verfünffachung.
Am 6. August legt OHB den Halbjahresbericht vor. Dann wird sich zeigen, ob die operative Dynamik mit den Erwartungen Schritt hält, die eine 7,9-Milliarden-Bewertung impliziert.
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