OHB hat binnen weniger Tage zwei große Themen gleichzeitig bewegt: eine abgeschlossene Kapitalerhöhung mit prominentem politischen Besuch und neue Pläne für Raketenstarts von einer schwimmenden Plattform. Die Aktie des Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzerns reagierte auf die Nachrichtenlage mit spürbaren Kursausschlägen.
Pistorius besucht Bremen, Kapitalerhöhung bringt 484 Millionen Euro
Verteidigungsminister Pistorius stattete OHB am 14. Juli 2026 einen Besuch ab. Im Zentrum der Gespräche standen Satellitenprogramme und die strategische Souveränität Deutschlands im Weltraum. OHB-Chef Marco Fuchs begrüßte bei diesem Anlass Investitionspläne von 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumfähigkeiten.
Parallel dazu schloss OHB eine Kapitalerhöhung ab: 1.702.480 neue Aktien wurden im Rahmen einer Privatplatzierung zu 300 Euro je Aktie ausgegeben, der Bruttoerlös summierte sich auf rund 484 Millionen Euro. Das frische Kapital dürfte dem Unternehmen Spielraum für die weitere Expansion seiner Raumfahrt- und Verteidigungsaktivitäten verschaffen, nachdem OHB zuletzt seine militärische Positionierung im Zuge gestiegener europäischer Verteidigungsausgaben ausgebaut hat.
Raketenrampe: Atlantik und Äquatornähe als neue Optionen
Neben der Kapitalfrage beschäftigt Anleger die Zukunft des Raketenstartprojekts von einer schwimmenden Plattform. Fuchs erklärte, dass sich die Pläne für Starts von See aus nun auf den Atlantik und Regionen in Äquatornähe ausweiten – zusätzlich zur ursprünglich angedachten Nordsee. Das sogenannte Gosa-Konsortium, das gemeinsam mit Bremer Partnerfirmen ein Spezialschiff mit Startrampe entwickelt hatte, wurde aufgelöst, die beteiligten Partner unterstützen das Vorhaben Fuchs zufolge aber weiterhin.
Die geplante suborbitale Demonstrationsmission verzögert sich unterdessen bereits mehrfach. Zuletzt fehlten den Angaben zufolge notwendige Behördenunterlagen für die Genehmigung. Technisch sei das Projekt nach Darstellung des Unternehmens startbereit, ein verbindlicher Zeitplan für den ersten Start steht jedoch weiterhin aus.
Auf operativer Ebene beschäftigt OHB rund 3.800 Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2025 wies das Unternehmen einen Umsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro aus, das EBIT lag bei 73 Millionen Euro, unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von 50 Millionen Euro.
Kursreaktion: Deutliche Korrektur nach starkem Lauf
An der Börse zeigte sich die Gemengelage aus Kapitalerhöhung und Projektverzögerungen in spürbaren Kursbewegungen. Zum Schluss des Handels am Donnerstag notierte die OHB-Aktie bei 239,00 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen bedeutet das einen Rückgang von 39,42 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass Anleger nach der Kapitalerhöhung und den neuerlichen Verzögerungen bei der Raketenrampe Kasse machten.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der Titel seit Jahresbeginn mit einem Plus von 96,71 Prozent einer der auffälligsten Werte am deutschen Markt. Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen relativiert damit zwar den fulminanten Anstieg des laufenden Jahres, hebt ihn aber keineswegs auf. Die Marktkapitalisierung von OHB liegt aktuell bei 5,16 Milliarden Euro.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite steht ein politisch flankiertes Wachstumsnarrativ mit frischem Kapital und Rückenwind durch steigende Verteidigungsausgaben. Auf der anderen Seite mehren sich technische und regulatorische Verzögerungen beim Raketenrampen-Projekt, die dem Markt zeigen, dass zwischen Ambition und Umsetzung bei OHB weiterhin eine Lücke klafft.
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