OHB SE Aktie: 17 Prozent Minus in sieben Tagen

OHB meldet ISS-Qualifizierung für EMS-Anzug, doch die Aktie rutscht weiter ab. Solide Halbjahreszahlen und hoher Auftragsbestand stehen dem negativen Chartbild gegenüber.

Auf einen Blick:
  • ISS-Experimentieranzug erfolgreich qualifiziert
  • Aktie fällt trotz positiver Geschäftszahlen
  • Charttechnischer Bruch unter 200 Euro
  • RFA-Testflug verzögert sich erneut

Während sich die OHB-Aktie weiter im Abwärtssog befindet, meldet der Bremer Raumfahrtkonzern einen technischen Erfolg für die Internationale Raumstation ISS. Am gestrigen Dienstag gab OHB SE bekannt, dass der EMS-Trainingsanzug „EasyMotion-2″ für Experimente an Bord der ISS qualifiziert wurde. Das Gerät soll künftig zur Erforschung von Muskelschwund unter Schwerelosigkeit eingesetzt werden – ein Thema mit Relevanz für die Langzeitraumfahrt.

Der Kapitalmarkt honorierte die Nachricht nicht. Die Aktie schloss am Dienstag bei 198,20 Euro, nachdem sie binnen sieben Tagen um 17 Prozent nachgegeben hatte. Der Relative-Stärke-Index von 30,6 signalisiert eine überverkaufte Situation, ohne dass sich bislang eine Stabilisierung abzeichnet.

Charttechnischer Bruch überschattet operative Meldungen

Der eigentliche Belastungsfaktor liegt tiefer als die Tagesnachrichten. Nach einem gescheiterten Ausbruchsversuch am Widerstand zwischen 265 und 275 Euro rutschte der Kurs seit Mitte August steil ab und durchbrach die Unterstützungszone bei 222 bis 228 Euro.

Medienberichten zufolge fiel die Aktie zuletzt sogar unter die Marke von 200 Euro – ein technischer Bruch, der aus charttechnischer Sicht als klar negatives Signal gilt. Weder die Aufnahme in den SDAX noch der milliardenschwere Iris2-Auftrag konnten diesen Trend zuletzt umkehren, die anfänglichen Kursgewinne wurden jeweils rasch wieder abgegeben.

Zu den fundamentalen Risikofaktoren zählt auch die Tochtergesellschaft Rocket Factory Augsburg. Deren erster Testflug verzögert sich Medienberichten zufolge erneut, nachdem Probleme am Treibstofftank aufgetreten waren – die Rakete musste zur Inspektion von der Startrampe entfernt werden. Für Anleger, die auf einen baldigen Meilenstein im europäischen Kleinraketen-Segment gehofft hatten, ist das ein weiterer Dämpfer.

Operatives Geschäft läuft, Sentiment bleibt angeschlagen

Der Kontrast zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf fällt deutlich aus. OHB hatte für das erste Halbjahr 2026 eine Gesamtleistung von 627,9 Millionen Euro gemeldet, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA legte um 31 Prozent zu, das bereinigte EBIT sogar um 46 Prozent.

Der Auftragsbestand wuchs auf gut 3,3 Milliarden Euro, die Jahresprognose mit einer Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro und einer EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent wurde bestätigt.

Auch strategisch bleibt OHB aktiv: Gemeinsam mit Rheinmetall hat das Unternehmen im Frühsommer das Joint Venture „OHB Rheinmetall Space Networks“ für militärische Satellitenkommunikation im Rahmen von SATCOMBw Level 4 gegründet.

Zur Finanzierung von Produktionsausbau, Mondprojekten und möglichen Übernahmen hatte OHB zudem eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttozufluss von 480 Millionen Euro abgeschlossen. Die Fuchs-Familie hält weiterhin die Mehrheit an dem Unternehmen, der Finanzinvestor KKR ist mit rund 20 Prozent beteiligt.

Die Diskrepanz zwischen soliden Geschäftszahlen und anhaltendem Kursverfall wirft die Frage auf, wie stark Anleger derzeit Zukunftsrisiken wie die RFA-Verzögerung gewichten. Die Qualifizierung von EasyMotion-2 zeigt, dass OHB technologisch in mehreren Feldern liefert – am Kapitalmarkt zählt aktuell aber offenbar vor allem die Charttechnik.

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