OHB hat die ILA Berlin mit vollem Terminkalender verlassen. Das Bremer Raumfahrtunternehmen schloss gleich mehrere Partnerschaften ab — und steht gleichzeitig vor einem Kurzfristtest, der nichts mit Satelliten zu tun hat.
KIRK wächst, SPOCK 2 lockt Milliarden
Am 12. Juni unterzeichneten sieben Raumfahrt-Start-ups Absichtserklärungen mit dem KIRK-Konsortium. KIRK steht für „Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz“ — ein Joint Venture von OHB und Helsing, erweitert um Kongsberg Defence & Aerospace und HENSOLDT. Das System kombiniert weltraumgestützte Aufklärung mit KI-gestützter Zielerkennung. OHB liefert die Raumfahrtsysteme und Nutzlasten, Helsing die kampferprobte KI inklusive Echtzeit-Datenverarbeitung.
Parallel dazu kämpft OHB um einen der größten Bundeswehr-Aufträge der kommenden Jahre. Laut Handelsblatt bilden Airbus, Rheinmetall und OHB drei separate Konsortien für das Satellitenprojekt „Spock 2″. Das Auftragsvolumen: rund fünf Milliarden Euro. Alle drei Bieter binden deutsche Start-ups ein — ein ungewöhnlicher Schritt in der Branche.
Neue Joint Ventures und ein Asteroid
OHB und Rheinmetall gründeten das Joint Venture „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“, eingetragen am 11. Juni ins Bremer Handelsregister. Es soll der Bundeswehr im Rahmen von SATCOMBw Phase 4 eine geschützte Kommunikationsarchitektur liefern.
OHB Italia schloss auf der ILA einen Vertrag mit Cosine Remote Sensing über die HAMLET-Kamera für die ESA-JAXA-Mission RAMSES. Die Mission begleitet den Asteroiden Apophis bei seinem Vorbeiflug an der Erde im April 2029. HAMLET ist ein hyperspektrales Instrument und soll spektrale Veränderungen auf Apophis untersuchen.
Starke Zahlen, heißer Kalender
Das operative Fundament stimmt. Der Auftragsbestand kletterte auf 3,354 Milliarden Euro — nach 2,314 Milliarden Euro im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu.
Die Aktie schloss die Woche bei 409,00 Euro — ein Wochenplus von knapp zehn Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 237 Prozent. Allerdings bleibt die Volatilität extrem: Von 19,2 Millionen Aktien sind nur rund 1,09 Millionen frei handelbar. Der jüngste Kursrutsch soll laut Unternehmensangaben von gerade einmal 800 Aktien ausgelöst worden sein.
Das bestimmende Kurzfristthema ist die KKR-Platzierung. Der Finanzinvestor hält rund 29 Prozent an OHB und will davon etwa 20 Prozent am Markt verkaufen — für mehr als eine Milliarde Euro. Frist ist der 30. Juni. Am 1. Juli öffnet dann das Startfenster für den Jungfernflug der RFA ONE. Ein erfolgreicher Start der OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg würde das Kleinsatelliten-Geschäft grundlegend neu aufstellen.
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